SLOWENIEN - OSTALPEN


(Hier geht es zu den FOTOS der Reise.)

 

Slowenien - das Land zwischen den östlichen Alpen und der nordöstlichen Adria, das bisher eher noch zu den unbekannten Urlaubsländern Europas zählt, ist vor allem für seine Berge, Skigebiete und Seen bekannt. Es hat allerdings einiges mehr zu bieten, als es auf den ersten Blick scheint. 

 

Unzählige Fotos hatte ich schon in den Social Media Netzwerken gesehen und etliche Berichte über das Land der Sagen & Mythen gelesen. Nun sollten wir also endlich in den Genuss kommen, uns ein eigenes Bild von der wundersamen Natur dieses gastfreundlichen Landes zu machen. Wir, das sind meine Kumpels Marco, Stefan, Viktor und Ich.

 

Vor unserer großen Reise, die uns im Juli dieses Jahres nach Irland führen wird, haben wir den Plan geschmiedet, uns ein wenig dafür warm zu fahren. Der östliche Alpenraum sowie das Transitland Slowenien erschienen uns hierfür ideal. Für die Tour nutzen wir ein verlängertes freies Wochenende.

 

31. Mai - Freitagmorgen 6 Uhr in der Früh. Der Wecker des Smartphones weckt mich mit einer dieser schrillen Standard-Wecker-Melodien. Heute Morgen fällt des Aufstehen jedoch verdammt einfach, denn es geht los! Endlich wieder mit dem Motorrad und den Kumpels auf Reise gehen.

 

Schnell noch die letzten Sachen in die Koffer gepackt und schon sitze ich auf dem Moped und fahre zum vereinbarten Treffpunkt. Meine Kumpels Marco und Viktor treffen kurz nach mir ein. Ohne zu viel Zeit zu verlieren begrüßen wir uns freudestrahlend und steuern wenige Zeit später schon auf die Autobahn.

 

Von Rastatt geht es auf der A5 bis Karlsruhe. Weiter auf der A8 über Pforzheim und Stuttgart bis Ulm, wo wir auf die A7 wechseln und bis nach Memmingen durchziehen, wo uns auf einem kleinen Rastplatz bereits unser Kumpel Stefan erwartet. Das Team ist komplett, auf geht's ins Abenteuer.

 

Durchs schöne Allgäu steuern wir auf der Autobahn die Grenze zu Österreich an, hinter der sich unser eigentlicher Startpunkt, der Plansee, befindet. Die langweilige Autobahnfahrt hat endlich ein Ende, ab jetzt beginnt der Kurvenspaß. Am See wimmelt es bereits von Motorradfahrern, die allesamt den Kurvenfahrspaß und das schöne Wetter rund um den grünen See genießen. Das erste coole Foto ist im Kasten. 

 

Durch den Ettaler Forst geht es weiter bis nach Krün, wo wir unsere erste mautpflichtige Straße befahren, von denen wir auf dieser Tour so einige auf dem Programmplan haben. 

 

Die Straße entlang des Flusses Isar zum Sylvensteinspeicher ist in privater Hand. Für das Befahren werden vier Euro fällig, die sich jedoch spätestens beim Erreichen des Stausees bezahlt machen. An der Faller-Klamm-Brücke legen wir eine kurze Rast ein. Was für eine tolle Aussicht. Beim Anblick der umliegenden Landschaft über das grüne Wasser hinweg könnte man doch glatt vergessen, dass sich diese Straße in Deutschland befindet. Es wirkt fast so, als wäre man gerade in Norwegen angekommen. Ein gelungenes Farbenspiel der Natur.

 

Auf schnellstem Wege geht es durch das Achental, wo sich der 8,4 Kilometer lange Achensee befindet, der zu den beliebtesten Ausflugszielen Tirols zählt.

 

Viele Landstraßen später erreichen wir das berühmte Zillertal, wo der Sommer bereits Einzug gehalten hat und die Wiesen saftig am blühen sind. Nur die umliegenden Berge sind noch mit Schnee bedeckt. Genau da wollen wir hin! Von Ried im Zillertal fahren wir die Zillertaler Höhenstraße hinauf, die parallel zum Tal verläuft und viele schöne Aussichtspunkte über das Tal zu bieten hat. Ein wenig Action auf den vom Schnee eingegrenzten Straßen, bevor am Almgasthaus Zellberg Stüberl Schluss ist. Rien ne va plus - nicht's geht mehr. Der weitere Verlauf der Höhenstraße liegt noch unter riesigen Schneemassen begraben, die vermutlich erst in 1-2 Monaten komplett weggeschmolzen sein werden. Also zurück ins Tal. Regen setzt ein. Ein kurzer Stopp im Supermarkt von Hippach und wir verlassen das Zillertal in östliche Richtung, wo bereits das nächste Highlight auf uns wartet.

 

Die mautpflichtige Gerlosstraße. Sie ist eine 69 Kilometer lange und sehr abwechslungsreiche Alpenstraße zwischen Salzburg und Tirol, die mit tollen Kurven und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten bei uns punkten kann. 

 

Direkt an der Mautstation lässt sich für 37,50 Euro ein Kombiticket erwerben, das die Gerlosstraße, die Nockalmstraße und die Großglockner Hochalpenstraße abdeckt. Durch den Kauf des Dreier-Tickets spart man direkt ein paar Euros, die man beim nächsten Tankstopp dann loswerden kann. Eine feine Sache wenn man sowieso vor hat alle drei Straßen in einer Saison zu befahren, da alle der drei Fahrscheine bis Saisonende des aktuellen Jahres gültig sind. 

 

Hier sind wir uns alle einig, die Krimmler Wasserfälle, die man über die Gerlospassstraße erreicht, sind eine echte Wucht. Mit ohrenbetäubendem Lärm stürzen die Fälle, die tausende Liter Wasser führen, hinab ins Tal und versprühen riesige Gischt-Wolken in die Umgebung, die anscheinend sogar eine heilende Wirkung haben sollen. Der aktuelle Regen ist ein echter Witz dagegen. Mit einer gesamten Fallhöhe von 380 Metern sind die Krimmler Wasserfälle die höchsten Wasserfälle Österreichs! Was für ein einmaliges Erlebnis! Ein Ort, den man mindestens einmal im Leben besucht haben muss.

 

Das nächste Highlight liegt leider etliche Kilometer entfernt, die es nun runter zu spulen gilt. Das Wetter passt dafür wieder, es hat angenehme 27 Grad und die Sonne scheint. Durch idyllische Täler fahren wir die 68 Kilometer von Krimml über Mittersill bis Ferleiten, für die man eine gefühlte Ewigkeit braucht, da man ständig durch kleine Ortschaften hindurchfahren muss. Als wir Ferleiten endlich erreichen, ist die Sonne bereits am Untergehen. Von hier aus wollen wir Morgen auf die Großglockner Hochalpenstraße auffahren, die das nächste Highlight unserer Routenplanung ist. 

 

Es wird Zeit nach einem Lagerplatz für die Nacht Ausschau zu halten. Direkt vor der Mautstelle ist jedoch ein denkbar ungünstigster Platz für eine Wildcamp-Action, da in Österreich sehr hohe Bußgelder auf Wildes Camping anfallen. Die Strafen sollen bis zur 10.000 Euro Marke reichen. Ein Horror. Was man darüber hinaus wissen sollte ist, dass das ungeplante Notbiwak in ganz Österreich geduldet wird. 

 

Es gilt nun also ein geschütztes und ruhiges Plätzchen für die Nacht ausfindig zu machen, wo uns auf keinen Fall jemand vor dem Morgengrauen einen Besuch abstatten wird. Wir schrauben uns einige Seitenstraßen des Tals hinauf, die allesamt nach wenigen Metern in Schotterwege übergehen und das Vorankommen mit tiefen Schlaglöchern nicht einfach machen. Einen geeigneten Platz finden wir dabei leider nicht. Die Hänge sind viel zu Steil um darauf zu zelten und die Wiesen bereits jetzt klatschnass, weshalb wir beschließen den nächstgelegenen Campingplatz anzufahren. 

 

In Zell am See werden wir fündig. Der Besitzer des Campingplatzes Panorama Camp ist sehr nett und nimmt uns auch noch zu später Stunde (22 Uhr) bei sich auf. Um die Nachtruhe nicht zu stören errichten wir in aller Stille unsere Zelte.

 

Unser Ziel für heute ist erreicht. Das Wetter des ersten Fahrtags hielt einige Regenschauer unterwegs für uns parat, die uns die gute Laune jedoch nicht vermiesen konnten.

 

Entspannt sitzen wir vor unseren Zelten und kochen uns eine warme Mahlzeit um unsere knurrenden Mägen zu besänftigen. Der Campingplatz ist rappelvoll und die meißten der Besucher sind bereits ins Bett gegangen, bis wir mit unserem Essen fertig sind. Der größte Nachteil eines Campingplatzes ist natürlich der, dass sich schon bei nur minimal erhöhter Lautstärke oder einem schallenden Lachen zu später Stunde direkt einer der Camping-Nachbarn beschwert, weshalb wir beschließen, das "Ausklingen lassen des Tages" bei ein paar Bier im zentralen und urigen Aufenthaltsraum des Campingplatzes zu vollziehen. An der Route für die kommenden Tage nehmen wir auch noch kleine Änderungen vor, bevor wir uns in die Zelte verkriechen und in einen erholsamen Schlaf fallen. Ein gelungener Auftakt-Tag unserer Reise.

Der nächste Tag beginnt mit Sonnenschein. Gut gelaunt kriechen wir aus den Zelten und trinken einen Kaffee zum wach werden. Unsere Morgenhygene findet im örtlichen Waschhaus statt. Man muss ja schließlich die Vorteile nutzen, die so ein Campingplatz zu bieten hat. Der Preis von 11,50€ pro Mann mit Zelt und Motorrad war hierfür absolut fair. In der Hauptsaison werden die Preise vermutlich jedoch deutlich höher ausfallen.

Unser erster Abstecher heute Morgen führt zum Zeller See, wo wir eine Menge Oldtimer-Fans mit alten Weltkriegs-Gespann-Mopeds und alten Wehrmacht-Autos begegnen. Toll hergerichtet haben sie sie, die alten Kisten. Ein junges Mädchen lässt Bilder von sich im Handstand machen. Zeit für einen kleinen Foto-Prank. Nach kurzer Showeinlage in Form von handstandlaufend die Treppe hinunter und ein paar Handstandliegestützen in voller Bike-Montur ist mir der Applaus der umstehend versammelten Touris sicher und auch das junge Mädchen staunt nicht schlecht und lacht. So sportliche Biker wie uns trifft man eben nicht jeden Tag. :) Mit freundlichem Gruß verabschieden wir uns von der feiernden Meute und ziehen weiter.

Wie schon am Vorabend steuern wir erneut die Mautstelle in Ferleiten an, von wo aus wir auf die Großglockner Hochalpenstraße starten. Hier herrscht schon jede Menge Betrieb. Von Motorrädern über Sportwägen bis hin zu Rennradfahrern und Mountainbikern ist alles dabei. An den Straßenrändern türmen sich noch meterhoch die Schneewände auf, was den besonderen Reiz zum Saisonauftakt der Strecke eben ausmacht. 

 

Ein gigantisches Bergpanorama unter Puderzucker liegt vor uns und es erscheint fast wie in einem schönen Traum. Wer starke Fotos mit Schnee am Straßenrand machen möchte bekommt diese hier garantiert. Kurz nach der Edelweisshütte legen wir eine kurze Pause ein und tollen im Schnee unher. Das wir uns dabei alle einen kleinen Sonnenbrand im Gesicht und auf den Ohren einfangen merken wir schon kurze Zeit später. Es brennt wie Feuer als wir die Murmel zurück in den Helm schieben wollen, aber da müssen wir jetzt eben durch.

Kurze Zeit später, nach dem Vorbeifahren an einer riesigen sich nicht vom Fleck bewegenden Autokollone, erreichen wir das Hochtor. Das Thermometer zeigt 2,5 Grad. Schnell wird uns klar warum es sich hier staut. Vor uns rollt eine riesige Lawine über die Straße, die kurze Zeit zuvor gezielt durch eine Drohne abgesprengt wurde. Stefan ist direkt im Foto-Modus und springt hastig von seiner Bandit ab. Das Motorrad steht bergabwärts und macht noch einen Satz nach vorn, wobei sich der Seitenständer einklappt und die Maschine auf die Straße kracht. Das Gelächter der Wartenden ist groß und ein abgebrochener Kupplungshebel das Resultat, was jedoch kein Grund ist unsere Tour fortzusetzen. Stefan trägt seinen ersten Umkipper mit Humor. Willkommen im Club Kumpel! Irgendwann erschwischt es halt jeden.

Nach viertelstündigen Räumungsarbeiten durch das Hochstraßen-Räumkommando mit schwerem Gerät kann unsere Fahrt weiter gehen. Als erste Steuern wir durch die frisch in die Lawine geräumte einspurige Gasse, der absolute Wahnsinn.

 

Ein großes Glück ist ebenfalls die heutige Straßeneröffnung zur Franz-Josefs-Höhe, die wir wenige Kilometer weiter erreichen. Von hier aus bietet sich uns eine geniale Sicht auf den Großglockner. Mit seinen knapp 3800 Metern ist er der höchste Berg Österreichs, neben dem sich die beeindruckende Gletscherzunge Pasterze in Richtung Tal windet. Schön ist's hier! Ein toller Bonus sind auch die Murmeltiere hier oben, die man nach kurzer Suche auf den schon aufgetauten Berghängen entdecken kann und von denen wir dieses Mal geniale Aufnahmen in den Kasten bekommen. Dieser Zwischenstopp war ein voller Erfolg.

Das nächste fahrtechnische Highlight liegt wieder einige Kilomter in östliche Richtung entfernt. Von der Fahrt dorthin gibt es nichts nenneswertes zu berichten, ein stumpfes Kilometergebolze über Landstraßen eben. Das Wetter passt aber. Es ist 18:30 Uhr als wir das kleine Örtchen Innerkrems erreichen, wo der Startpunkt der Nockalmstraße liegt. Doch was ist das? Die Schranke der Mautstation ist geschlossen und das Häuschen nicht besetzt. Was nun, wir haben die Straße doch schon bezahlt und so schnell wird es uns vermutlich nichtmehr in die östlichste Ecke Österreichs verschlagen. Wo kein Richter, da kein Henker! Mutig steuern wir um die Schranke herum. "Nockalmstraße wir kommen!!!" Die ersten Kilometer der Straße sehen vielversprechend gut aus und machen Lust auf mehr. Kurve um Kurve schrauben wir uns hinauf. Um uns herum stehen karge Bäume in der Landschaft und Wiesen mit kleineren Schneefeldern darauf zieren das Bild. Eine Landschaft, die gerade erst aus dem Winterschlaf zu erwachen scheint. Immer noch verwundert warum die Schranke geschlossen war, fahren wir an geöffneten Almhütten vorbei, in denen es sich bereits ein paar Besucher gemütlich gemacht haben. Wenige Kilometer später ist uns jedoch alles klar. Die Weiterfahrt wird durch eine riesige über die Straße stehende Barrikade versperrt. Warnschilder verweisen auf eine akute Lawinengefahr auf der dahinterliegenden Straße. Es bleibt uns nichts anderes übrig als umzudrehen und die Nockalmstraße weitläufig zu umfahren. Auf dem Rückweg entdecken wir auserdem, dass an der geschlossenen Schranke die Gegenrichtung geöffnet ist und dort ein Schild mit "Freie Fahrt bis zu den Almhütten" hängt. Dies hatten wir beim Umfahren der Schranke vor einer halben Stunde übersehen.

Die Zubringstraße, die parallel im Osten der Nockalmstraße liegt, lässt uns den kleinen Ärger über die vielen Streckensperrungen wegen Lawinengefahr und Schneemassen jedoch schnell vergessen. Eine enge Straße mit schlechtem Asphalt windet sich durch Wälder und ein verwunschenes Tal an einem kleinen Bach entlang. Kein Auto weit und breit. Eine Straße genau nach unserem Geschmack.

Ein wenig Kilometer müssen wir noch machen heute, da unser Etappenziel für heute, Slowenien zu erreichen, noch ein gutes Stück weit entfernt liegt.

Mit Vollstoff geht es über die Passtraße der Turracherhöhe und weiter bis Villach, von wo aus es nur noch wenige Kilometer bis zur slowenischen Grenze sind, die wir auf dem Wurzenpass überqueren wollen.

Auf der Passhöhe angekommen sichten wir sofort den original russischen T34-Kampfpanzer am Straßenrand, der als Mahnmal an die Jahrzehnte des Kalten Krieges, hier aufgestellt wurde.


Desweiteren findet man hier die von 1963 bis 2002 einsatzbereit gehaltene, ehemals geheime und größte Bunkeranlage des Bundesheeres in der Alpenrepublik vor, die seit 2005 als österreichweit einzigartiges Freilichtmuseum geöffnet hat. Am Dreiländereck Österreich-Slowenien-Italien, dem Schnittpunkt dreier Kulturen, zeigt das Bunkermuseum eindrucksvoll, was in einem friedlich vereinten Europa erfreulicherweise überflüssig geworden ist. Besucher können auf einem individuellen und eindrucksvollen Rundgang das 11.400 m2 große Museumsareal erkunden, das durch die weitläufigen Verbindungsgräben und teils tunnelartigen Gänge führt. So kommen sie zu den sieben Bunkern (Kampf-, Führungs-, Versorgungs- und Schutzanlagen) und vorbereiteten Kampfdeckungen, die im Originalzustand erhalten sind. 

Das Bunkermuseum liegt an der Wurzenpass-Bundesstraße B109 rund 2,5 km vor der Staatsgrenze zu Slowenien (A2-Ausfahrt Villach/Warmbad). Es ist im Juli und August täglich sowie im Mai, Juni, September und Oktober jeweils von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet.

 

Ein letztes Foto mit uns auf dem Panzer und die Dämmerung bricht an.

 

Da es bei Nacht deutlich schwieriger ist einen geeigneten Lagerplatz ausfindig zu machen, wollen wir es direkt hier auf dem Grenzstreifen versuchen. Nach kürzester Zeit werden wir fündig. Eine kleine Lichtung im Wald, wo mehrere Waldwege zusammenführen, soll unser heutiger Zeltplatz sein. Noch schnell die Zelte aufgebaut, dann übernimmt die Nacht. Gemütlich sitzen wir beisammen und plaudern über vergangene Touren, wärend die Nudeln im Gaskocher vor sich hinköcheln und das gekühlte Zipfer-Märzen die Kehlen hinunter fließt. Ein toller Abend unter klarem Sternenhimmel, den wir so schnell nicht vergessen werden.

Am nächsten Morgen werden wir durch die in den Wald einfallenden Sonnenstrahlen geweckt. Ein herrlicher Tag liegt vor uns. Nach einer gemütlichen Aufwachphase packen wir die Zelte zusammen und satteln wieder auf.

Knapp 500 Meter hinter dem Panzer stehen schon die alten Grenzhäuser. Slowenien wir kommen! Yeahhhh!!!

Vollgetankt mit neuer Energie und gutgelaunt steuern wir Kranjska Gora an, wo wir am klaren Jezero Jasna eine gemütliche Kaffeepause einlegen.

Die Preise in den Touristenhauptgebieten sind jedoch gesalzen, das hatte ich mir anders vorgestellt. Für 4 Kaffee und 4 Croissants zum mitnehmen müssen wir 18 Euronen abdrücken, was den deutschen Preisen in nichts nachsteht. Die Natur ist dafür sagenhaft. Ein glasklarer See umrahmt von einer malerischen Bergkulisse liegt uns zu Füßen. Wir genießen das herrliche Wetter und lassen die Seele ein wenig baumeln. 

Ein kurzer positiv verlaufender Dichtigkeits-Check der Motorrad-Stiefel im See und schon düsen wir den 1611 Meter hohen Vršič-Pass hinauf, der noch gepflasterte Haarnadelkurven vorzuweisen hat. Eine tolle Passstraße durch eine noch gigantischere Bergwelt, die man auf einer Slowenien-Reise auf keinen Fall verpassen sollte.

Gerade erst ein paar Kilometer durch den Triglav Nationalpark zurückgelegt und wir sind schon restlos von der Schönheit des Landes überzeugt. Was dies wohl jetzt noch übertreffen kann?

Die Antwort auf diese Frage wird uns auf der Stelle geliefert, als wir den Vršič-Pass in südwestliche Richtung verlassen und das schöne Tal entlang der Soča durchfahren. Glasklar und dennoch mit einer smaragdgrünen Note fließt der Fluss neben der Straße her. Selten erst haben wir so eine astreine Wasserqualität in Flüssen gesehn.

Vom vielen Fotos schießen, die das Aufbauen des Stativs erfordern, sind wir total verschwitzt und das Thermometer zeigt mittlerweile 35 Grad. Ein kleiner Badestop am Fluss könnte nicht schaden. Wofür wir wenig später, kurz nach dem Örtchen Soča, schon eine geeignete Stelle am Fluss finden. Nichts wie raus aus der Motorradkluft und rein in die Badehose!

Marco schreitet mutig voran und taucht mit einem Hechtsprung in die 6-Grad-kalten Fluten der Soča ein. Wir tuen es ihm gleich und hüpfen krakelend in den Fluss. Das kalte Wasser lässt die Füße erstarren und das Blut weicht zurück in Richtung Herz. Als wir das Ufer wieder betreten braucht es einen kurzen Augenblick bis wir wieder Gefühl in die Beine bekommen. Die Wir-Sind-Echte-Männer-Mutprobe haben wir alle mit Bravur bestanden! Auser uns traut sich nur ein Canyoning-Sportler in dickem Neoprenanzug in den Fluss, die anderen Badegäste drumherum ziehen das Liegen in der Sonne dem Baden im eiskalten Fluss vor. Für uns war es dennoch eine tolle Erfrischung.

 

Unser nächster Halt ist in Bovec, ein idyllisches Örtchen, in dem wir unsere Maschinen betanken, bevor wir die Landstraße die in Richtung Norden zur italienischen Grenze führt unter die Räder nehmen.

Die Straße 203, die sehr kurvig bergauf durch Wälder führt, ist eine echte Wucht. Wir geben uns voll und ganz dem Kurvenrausch hin, bis wir 16 Kilometer später den Abzweig zur Sackgassenstraße 902 (nach dem Viadukt Mangart) erreichen, die hinauf zum Berg Mangart führt.

 

Durch viele in den Berg gesprengte Tunnels führt die einspurige Straße bergauf und gibt immer wieder eine Sichtlinie hoch zum pyramidenförmigen Berg Mangart frei. Die apline Landschaft ringsherum ist ein Traum. Vermutlich eine der schönsten, die der Alpenraum zu bieten hat, was wir so nicht erwartet hätten. Knapp 2 Kilometer vor erreichen des Endes der Stichstraße ist Schluss. Die Weiterfahrt wird durch eine riesige Lawine versperrt, die quer über die Straße verläuft. Trotz alle dem gehört für uns die Befahrung der Straße 902 zu den Top-Favoriten dieser Reise. Mein persönliches Highlight dieser Strecke waren die Schmelzbäche die über die Straße geflossen sind, die bei der Durchfahrt eine tolle Wasserfontaine in die Luft gespritzt haben. Eine echte Abenteuerstrecke!

 

Wir genießen die Aussicht und lassen die alpine Landschaft in aller Ruhe auf uns wirken, bevor wir die enge Stichstraße, die  keinen Platz für zwei nebeneinander fahrende Autos bietet, wieder hinab fahren.

Noch ein kurzer Ritt durch die Wälder bergauf und wir stehen auf der Passhöhe des 1155 Meter hohen Passo Predil, der die Grenze zu Italien ist. Die Abfahrt hinab auf italienischer Seite bietet traumhafte Aussicht auf den Lago del Predil. Ein grüngefärbter See umsäumt von Wäldern mit riesiger Sandbank am Zulauf, an dem unsere Angler am liebsten direkt die Rute reinhängen würden. Doch wir fahren zurück nach Slovenien, wo wir heute noch einige Kilometer runterrasseln wollen.

Gemächlich cruisen wir zurück bis Bovec und weiter in südöstliche Richtung.

Unser nächstes Ziel ist die Napoleonov most in Kobarid, eine schick anzuschauende Brücke über einem wild darunter durchrauschenden Fluss, die ein klasse Fotomotiv ist und mich ein wenig an die Brücke in Mostar (Bosnien) erinnert.

Ab hier beschließen wir die Hauptlandstraßen zu meiden und schrauben uns auf kleinsten Nebenstraßen durchs tiefste Hinterlands Sloweniens, wo wir viele kleine Dörfer durchfahren und uns einen kleinen Eindruck über die Lebensweise der Einheimischen verschaffen können.

Die meißten der Häuser fernab der Hauptstraßen sind gut in Schuss und haben liebevoll angelegte Gärten vor und hinter dem Haus, in denen jede Menge Blumen gepflanzt werden. An manchen wenigen Häusern fehlt noch der Außputz, was hier jedoch niemanden besonders stört, es wird eben weitergebaut wenn man wieder flüssig ist.

Rentner sitzen fröhlich am Straßenrand und unterhalten sich. Interessiert schauen sie uns hinterher nachdem wir vorbeigefahren sind.

In jedem fünften Dorf weisst der weiße Schriftzug "šola" auf dem schwarzen Asphalt der Straße auf eine örtliche Schule hin und mahnt zum Langsam-Fahren aus Rücksicht gegenüber den Kindern.

Kleintieransammlungen in Form von Schaf- und Ziegenherden sowie vereinzelt prächtige Pferde findet man fast in jedem Örtchen vor.

Ein schöner kurzer Einblick auf Land und Leute.

Von Most na Soči fahren wir auf kurvigsten Straßen, die stellenweise gute Aussicht über den Fluss Soča freigeben, in straffem Tempo in Richtung Norden bis Petrovo Brdo.

Ein kurzer Ritt über den Wocheiner Sattel und wir erreichen den Bohinjsko jezero, ein riesiger See in den Bergen, dessen Umfeld touristisch komplett erschlossen ist und von diversen Anbietern ein riesiges Freizeitangebot geboten wird. Vom Campingplatz direkt am See über Kayakfahren auf dem See oder schönen Wanderrouten um den See, wird für jeden Geschmack das passende zu finden sein.
Souvenirjäger werden in den vielen kleinen aber sehr gut sortierten Shops mit Sicherheit fündig.

Von allen angebotenen Aktivitäten der Region, ist die 20-minütige Wanderung von Ukanc zum Wasserfall "Slap savice" besonders beliebt, die wir nur auf Grund des starken kurzzeitig einsetzenden Regens ausgelassen haben.

Wir fahren weiter, zu dem direkt nach der Hauptstadt wohl meistbekanntesten Ort Sloweniens, nach Bled.

Die recht kleine aber dafür sehr hochpreisige Ortschaft, hat eine touristische Promenade zu bieten, die rings um den bekannten Bleder See verläuft. Die weitaus schönere Sehenswürdigkeit ist jedoch die Burg von Bled, ursprünglich Burg Veldes genannt, die wie Graf Draculas Zweitwohnsitz aussieht und stolz auf einem Felsvorsprung über dem See thront. Besonders jetzt im Abendlicht kommt die Burg sehr gut zur Geltung. 

 

Und einen weiteren sehr interessanten Fakt hat der Ort Bled zu bieten, nämlich dass hier die einzigste Insel in ganz Slowenien zu finden ist, auf der sich die Mariä Himmelfahrt Kirche befindet, die ein schönes Fotomotiv im See abgibt und spannende Legenden zu erzählen hat.

 

Eine der Legenden über den Ursprung des Bleder Sees erzählt die Geschichte von jungen Hirten, die ihre Schafe auf einer großen grünen Weide hüteten. In der Mitte der Weide befand sich eine Kapelle, wo ihre Schafe oft hinwanderten. Die Hirten kümmerten sich überhaupt nicht um ihre Schafe, die diesen heiligen Ort entweihten, und taten nichts, um sie daran zu hindern, wieder dorthin zu gehen. Deshalb beschloss Gott, einen See um die Kapelle herum zu schaffen, um sie zu schützen. So entstand der Bleder See und die Insel mit der Kirche.

 

Mit einem sogenannten Pletna, dem traditionellen Ruderboot der Slowenen, lässt sich die Insel heute vom Ufer aus ohne Probleme erreichen.

 

Eine weitere überlieferte Legende ist die der versunkenen Glocke. Die Legende besagt, daß im Bleder Schloss die schöne Witwe Polixena lebte und ihren, von Räubern ermordeten Ehemann betrauerte. Sie sammelte ihr ganzes Gold und Silber und ließ ein Glöckchen für die Kapelle auf der Insel gießen. Als das Glöckchen auf die Insel hinübergeschafft werden sollte, kenterte das Boot in einem mächtigen Sturm, das Glöckchen sank und die Bootsbesatzung ertrank. Noch heute höre man in ruhigen und klaren Nächten dessen Läuten aus der Tiefe des Sees. Die junge Witwe aber wurde noch trauriger. Sie brach auf nach Rom, wo sie einem Klosterorden beitrat. Nach Ihrem Tod übersandte der Papst eine neue Glocke für die Inselkirche. Wer sie Maria zu Ehren läutet, dem soll ein Wunsch in Erfüllung gehen.

 

Auf der Terasse eines Restaurants am See tanken wir neue Kräfte und stärken uns mit Cevapcici, frischen Forellenfilets und Calamari bevor wir unsere Fahrt fortsetzen.

Vom See aus führt unser Weg über kleine Landstraßen bis zur Ortschaft Mojstrana, in deren Umgebung sich unsere letzten Highlights für heute befinden.

 

Auf einer kleinen asphaltierten Straße, die kurze Zeit später in einen Schotterweg übergeht, fahren wir in den Wald hinein, und folgen den Hinweisschildern mit Aufschrift "Slap Peričnic". Kurze Zeit später stehen wir vor dem kleinen schönen Wasserfall, der schon vom Wegesrand aus gut zu sehen ist. Ein schnelles Foto und weiter, es dämmert bereits.

Tiefer und tiefer fahren wir bergauf in den Wald hinein, wo schon sehr schnell nicht mehr viel vom Tageslicht zu sehen ist. Der etwa 14 Kilometer lange Schotterweg führt uns hinauf zum Triglav-Berg, der für die Namensgebung des Nationalparks verantwortlich ist. Leider ist es bereits stockfinster als wir den obersten Parkplatz erreichen. Wir sind 30 Minuten zu spät dran. Eine kleine Wanderung und die Chance auf ein gutes Foto vom Triglav haben sich somit erledigt. Ein geeigneter Wild-Camp-Platz ist hier oben ebenso nicht zu finden, Verbotsschilder soweit das Auge reicht. In völligster Finsternis tasten wir uns wieder auf Schotter durch den Wald hinab bis Mojstrana.

Höchste Zeit ein Nachtlager zu finden, was an diesem Abend und bei völligster Dunkelheit eine echte Herausforderung ist. Fast jede Seitenstraße endet an einem Haus, Schotterwege sind Verbindungsstraßen zwischen Ortschaften und das gesamte Waldgebiet ist Nationalparkfläche. Je später es wird und je länger die Suche nach einem geeigneten Platz andauert, desto weiter liegen die Meinungen in der Gruppe auseinander, weshalb wir die Suche nach einer Stunde einstellen und den erstbesten uns über den Weg laufenden Platz mit schöner Aussicht auswählen, wohlwissend dass dieser nur suboptimal ist.

Im Schutze der Nacht bauen wir die Zelte auf und lassen es uns bei warmem Essen und slowenischem Dosenbier gut gehen. Ein lustiger Abend mit guten Gesprächen und neuen Reiseländerideen, der erst spät in der Nacht ein Ende nimmt. Die Nacht verläuft ruhig.

Am nächsten Morgen werde ich um 6 Uhr durch heftiges Schütteln aus dem Tiefschlaf gerissen. Als ich meine Augen langsam öffne sehe ich meinen Kumpel Marco, der mit vollem Körpereinsatz an meinem Arm rumreißt. "Oaarrrr, was ist los Kumpel, es ist noch viel zu früh!", stammel ich zu ihm. Er wirkt aufgebracht und entgegnet mir: "Draussen vorm Zelt ist ein Nationalpark-Ranger mit seinem Elektroauto, er will von jedem von uns 600 Euro Strafe fürs Wildzelten haben und er hat schon Fotos von den Motorrädern und den Zelten gemacht!"

Es klickt und ich bin hellwach. Laut rufend alarmiere ich alle Kumpels: "Volle Montur anziehen und raus vors Zelt Männer, wir haben Besuch!"

 

Als wir uns zu viert vor dem Ranger postieren, spühren wir sein Unwohlsein sofort. Seine Hände beginnen stark zu zittern als er uns bittet auf Abstand zu bleiben. An seinem Gürtel hängt eine große Pistole im Holster. Wir bleiben ruhig und kommen seiner bitte nach. Als nächstes möchte er unsere Ausweise haben. Auch dieser Bitte kommen wir umgehend nach.

Die Situation entspannt sich allmählich und der Ranger ist bereit mit uns ins Gespräch zu gehen. Er klärt uns auf englisch über die Strafe auf: "Mit dem Motorrad in den Wald hineinfahren kostet 500 Euro, da auslaufendes Öl oder Benzin zu einer Katastrophe führen kann. Für wildes Zelten im Nationalpark sind 100 Euro Strafe angesetzt."

Wir erklären ihm das wir die Natur sehr achten und nicht gekommen sind um etwas zu zerstören und verweisen auf unseren tip top aufgeräumten Lagerplatz, wo jeglicher Müll im Müllsack gelandet ist. Im gleichen Zuge bitten wir ihn um Herabsetzung der Strafsumme.

Mittlerweile ist seine Verstärkung eingetroffen. Die Ranger sind nun zu zweit. Er erläutert seinem Kollegen kurz die Situation und dass wir uns sehr kooperativ gezeigt haben, dann beraten sie über die Höhe der Strafzahlung.

Kurze Zeit später kommt er auf uns zu: "Weil ihr einsichtig und ruhig geblieben seit, der Platz komplett sauber war und ihr kooperiert habt erlassen wir euch die Strafe für die Motorräder." Verägert sei er jedoch trotzdem, aber eher darüber, dass er uns noch nicht gestern Abend gefunden hat. Wir müssen schmunzeln und atmen auf. Die 100 Euro pro Kopf fürs Wildzelten möchte er aber haben, er bietet uns jedoch einen Rabatt von 50 Prozent bei sofortiger Barzahlung an, worauf wir direkt einsteigen.

Wer nun denkt, die Ranger hätten das Bargeld in die eigenen Taschen gesteckt, liegt falsch. Die Nationalpark-Guards sind echte Heimat- und Naturliebhaber, Bestechungsversuche sind zwecklos und bewirken eher das Gegenteil. Für alle von uns wurden personalienbezogene Strafzettel ausgestellt und verteilt. Die Strafsummen sind darin vermerkt und entsprechen exakt der Aussage des Rangers. Für Einheimische weichen die Preise etwas ab. Das mit dem 50-prozentigen Rabatt gilt im übrigen auf alle Strafzettel die man in Slowenien erhält, wenn man diese sofort in bar bezahlt oder innerhalb von 8 Tagen überweist. Ein Vorteil den man kennen sollte.

Freundlich verabschieden wir die Ranger, die uns noch ein paar Antworten auf Fragen zum Nationalpark geben können und mit ihrem Elektroauto weiter ziehen.

Puhhh, nochmal Glück gehabt! Das Sauberhalten des Platzes in Kombination mit der Bitte um Senkung der Strafe hat sich rentiert. In Eigenregime dürfen wir den Platz verlassen.

Nach einem kurzen Stopp zum richtig Wachwerden und der morgendlichen Zahnhygene am nächstgelegenen Straßenrand setzen wir unsere Reise fort. Der letzte Fahrtag beginnt.

Von Mojstrana fahren wir über Kranjska Gora bis Rateče, dem letzten Ort vor der italienischen Grenze, wo wir uns an der Tanke mit Sprit (1,33€/L Benzin) und günstigen Zigaretten (42€/Stange) eindecken. Dann geht es nach Italien weiter. Um die Nationalparkrunde voll zu machen fahren wir noch einmal zum Lago del Predil, wo wir einen kurze Pause mit kleinen Angelversuchen einlegen.

Slowenien du bist wunderbar und wir kommen wieder, keine Frage!!!

Nach erfolglosen aber lustigen Angelversuchen erhoffen wir uns größere Glücksmomente beim Mopedfahren durch die Berge, womit wir auch nicht ganz richtig liegen sollten. Aber dazu gleich mehr...

Da wir einiges an Zeit am Morgen durch die Ranger gewonnen hatten, planen wir noch spontan drei Passtraßen ein, die uns zwar zeitlich gesehen auf längerem aber deutlich kurvigerem und schönerem Wege zur Mittagszeit auf die Autobahn führen werden.

Der erste Pass ist der Sella Nevea, der direkt vom See aus startet und durch einsame Landschaft kurvig auf 1190 Meter führt. Die Abfahrt auf der Westseite führt in vielen wilden Kehren steil bergarb, die teilweise in Form von Tunnels in den Berg geschlagen sind. Stefan und Viktor fahren vorraus. Die Sicht in den engen Tunnelkehren ist schlecht. Als ich in einen der Tunnels einfahre, zieht es mir in der Kehre fast die Maschine unter den Füßen weg. Mit einem beherzten Abtreten von der Straße, kann ich sie gerade noch aus der Schräglage aufrichten. Rollsplitt über die ganze Fahrbahn, und davon nicht wenig! Als ich den Ausgang des Tunnels erreiche, versuche ich noch Marco per Handzeichen zu warnen, der eine Kehre über mir langsam angefahren kommt. Doch er sieht mich leider nicht.

Im Tunnel ertönt ein laut schallendes "Rattttscchhhhhh", ich weis sofort was los ist. Marco hat seine Maschine in der Kurve auf dem Splitt abgelegt. Schnell rennend eile ich ihm zur Hilfe. Marco geht es gut soweit, er steht schon wieder auf seinen Beinen neben der abgelegten Maschine. Schnell richten wir diese gemeinsam auf und schieben sie aus dem Tunnel, bevor ich per Handy Stefan und Viktor über den Crash infomiere.

Das Bike hat trotz minimalster Geschwindigkeit heftig was abbekommen. Das Cockpit ist auseinandergeplatzt, der Tank hat dicke Dellen, die Gepäcktaschen hängen lose herunter und die gesamte linke Fußraste inklusive Schalteinheit ist abgebrochen.

Wir überlegen kurz den Pannendienst zu rufen, was wir aber gleich wieder verwerfen. Um keine Zeit zu verlieren machen wir uns kurze Zeit später selbst ans Werk. Werkzeug raus und los. Zu viert wird gespängelt was geht. Wir entfernen die gebrochenen Teile und basteln im Mac-Gayver-Stil behelfsmäßig die Schalteinheit wieder zusammen. Alle loßen Teile fixieren wir wieder am Bike. Nach kurzen Startschwierigkeiten springt der Motor an und wir testen die Konstruktion. Noch ein paar kleine Optimierungen und das Motorrad ist nach 45 Minuten wieder fahrbereit.

Was wir Marco sehr hoch anrechnen ist die Tatsache, dass er die noch folgenden zwei Passstraßen trotz schlecht schaltbaren Gängen nicht ablehnt. Hochschalten erledigt er ab sofort übrigens per Aufwärtskick mit der Hacke! ;)

Über den Nassfeldpass (1530m) und die Windische Höhe (1110m) fahren wir in Richtung Autobahn, die trotz ihrer Unbekanntheit jede Menge Fahrspaß bereiten.

Wir besorgen schnell vier Vignetten für die Autobahn durch Österreich und schon sind wir auf der Bahn. Mit Vollstoff geht es auf der A10 in Richtung Heimat, was auf Grund der hohen Blitzerdichte und den erfolglosen Versuchen der österreichischen Polizei uns von der Gegenfahrbahn aus hinterher zu lasern, kein leichtes Unterfangen ist. Meine auf den Vignettenhalter aufgeklebte Vignette hat sich übrigens schon nach kürzester Strecke von der Klebfläche verabschiedet, doch es ging auch ohne sie.

An der Grenze zu Deutschland liegt ein kilometerlanger Stau vor uns. Eine Blechkarawane so weit das Auge reicht. Bei 32 Grad in der prallen Sonne und in voller Montur schlängeln wir uns 24 Kilometer lang zwischen den Autos durch.

Auf diesem Wege ein kleiner Appell an die Auto- und LKW-Fahrer: "Wenn es sich staut, lasst bitte in der Mitte die Rettungsgasse für den Notdienst und für uns Motorradfahrer frei, und BITTE hört auf damit, aus lauter Langeweile heraus, die Spuren im Stau zu wechseln, was sehr gefährlich für uns ist! Die Mopedfahrer ohne Klimaanlage danken es euch herzlich!"

In Zusmarshausen verlassen wir kurz die Autobahn. Wir legen einen Tankstopp und eine kurze Pause ein, bevor wir uns vor Ort von Stefan verabschieden. "Es war eine saustarke Tour Kumpel, wir sehen uns bald!"

Marco, Viktor und ich haben noch ein paar Kilometer mehr bis nach Hause, wir fahren zurück auf die Bahn und lassen den Kilometerstand ordentlich drehen.

Gegen 20:30 Uhr erreichen wir Rastatt, wo sich auch unsere Wege trennen. "Spitze war es mit euch Männer! Auf unser bald folgendes Motorradabenteuer in Irland! Macht's gut und bis dann."

 

Die Freude bei meinen Kindern ist riesig als ich eine viertel Stunde später zu Hause vor die Garage rolle. Sie jauchzen und schreien als hätten sie mich ein halbes Jahr nicht gesehen. Ein unbezahlbarer Moment.

"Papa ist wieder zuhause Kinder!"....

 

Vielen Dank auch auf diesem Wege an meine tolle Frau, die jedes Mal einen spitzenmäßigen Job mit den Kindern macht, während ich abwesend bin. Danke Schatz!

Und somit findet auch dieses Abenteuer mal wieder ein erfolgreiches Ende und die Vorfreude wächst auf das nächste.

Schon in 6 Wochen werden wir wieder gemeinsam in Irland auf Reise sein!!!

 

 

Route:

Gernsbach - Rauental Park&Ride Parkplatz - Rastatt - Pforzheim - Stuttgart - Ulm - Memmingen (Treffpunkt mit Stefan 47.9419155, 10.1983229) - Kempten - Gemeinde Reutte - Plansee - Ammerwald -

Ammersattel 1082m - Ettal - Garmisch-Partenkirchen - Krün - Wallgau - (entlang der Isar) - Vorderriss - Sylvensteinspeicher (Stausee) - Achenwald - Achental - Achensee - Wiesing - Schlitters - Gagering - Uderns - Thurnbach - Zillertal - Ried im Zillertal - Zillertaler Höhenstraße 2133m - Umkehr am Almgasthaus Zellberg Stüberl (Schnemassen versperren das restliche Stück der Höhenstraße) -

Zellbergeben - Zell am Ziller - Laimach - Hippach - Zell am Ziller - Unterberg - Hainzenberg - Gmünd - Gerlos - Schönachtal - Königsleiten - Gerlosstraße mit Gerlospass 1531m - Krimmler Achental - Krimmler Wasserfälle (mit einer gesamten Fallhöhe von 385 Metern sind sie die höchsten Wasserfälle Österreichs und Europas!) - Krimml - Wald im Pinzgau - Neukirchen am Großvenediger - Bramberg am Wildkogel - Hollersbach im Pinzgau - Mittersill - Stuhlfelden - Uttendorf - Walchen - Piesendorf - Fürth - Krössenbach - Vorfusch - Fusch an der Großglocknerstraße - Ferleiten (Mautstation) - Zell am See - Panorama Camp, Zell am See (47.301922, 12.815396) - Erlberg - Zeller See - Krössenbach - Vorfusch - Fusch an der Großglocknerstraße - Ferleiten - Großglockner Hochalpenstraße 2504m (15min Zwangspause am Hochtor wegen gezielter Lawinensprengung mit Drohne und anschließenden Räumungsarbeiten der Straße) - Franz Josef Höhe (Aussicht auf Großglockner 3798m mit Gletscher Pasterze und vielen Murmeltier-Sichtungen) - Heiligenblut - Großkirchheim - Mörtschach - Winklern - Lainach - Stall - Flattach - Obervellach - Stallhofen - Untergratschach - Litzldorf - Reißeck - Kolbnitz - Mühldorf - Möllbrücke - Lurnfeld - (Knoten Spittal - Spittal an der Drau) - Trebesing - Gmünd in Kärnten - Eisentratten - Leoben - Kremsbrücke - Innerkrems - Nockalmstraße 2049m - Umkehr am Almgasthof Zechneralm (Streckensperrung über die Passhöhe wegen akuter Lawinengefahr) - Innerkrems - Thomatal - Ramingstein - Kendlbruck - Predlitz - Turracherhöhe 1763m - Reichenau - Patergassen - Bad Kleinkirchheim - Radenthein - Feld am See - Afritz am See - Einöde bei Villach - Treffen am Ossiacher See - Seespitz - Villach - Hart - Krainegg - Wurzenpass m (Panzer) - (Nachtlager im Wald auf Grenzstreifen 46.523776, 13.748601) - Podkoren - Kranjska Gora - Jezero Jasna - Vršič Pass 1611m - TRIGLAV NATIONALPARK - Trenta - Sočatal (entlang der Soča) - Soča - Badestop im 6-Grad-kalten Fluss Soča / Isonzo (46.334524, 13.645376) - Kal-Koritnica - Bovec - geile Kurven-Straße 203 in Richtung Norden (Bovec bis Passhöhe des Passo Predil) - Log pod Mangartom - Strmec na Predelu - Straße 902, hoch zum Berg Mangart (durch viele Bergtunnels) - Umkehr (Lawine auf Sackgassen-Stichstraße versperrt die letzen Meter zum höchstgelegenen Parkplatz) - Passo Predil / Predilpass 1156m - Lago del Predil - Raibl - Riofreddo - Raibl - (Passo Predil) - Strmec na Predelu - Log pod Mangartom - Bovec - Žaga - Srpenica - Trnovo ob Soči - Kobarid - Napoleonov most, Kobarid - Ladra - Kamno - Selišče - Volarje - Gabrje - Dolje - Tolmin - Modrej - Most na Soči - Bača pri Modreju - Klavže - Kneža - Grahovo ob Bači - Koritnica - Hudajužna - Podbro - Petrovo Brdo - Bohinjsko sedlo / Wocheiner Sattel 1277m - Bohinjska Bistrica - Kamnje - Laški Rovt - Ribčev Laz - Bohinjsko jezero - Ukanc - ((Slap savice, wäre von hier auf einer 20min-Wanderung zu Fuß erreichbar)) - Ribčev Laz - Bohinjska Bistrica - Bitnje - Bleder See - Bled - Spodnje Gorje - Krnica - Radovna - Zgornja Radovna - Mojstrana - Slap Peričnic (direkt am Straßenrand - Schotterweg hinauf zum Triglav Berg bis Parkplatz (46.412588, 13.846338) - Mojstrana - Zgornja Radovna - (Nachtlager im Wald 46.421918, 13.933420) - Zgornja Radovna - Mojstrana - Dovje - Belca - Gozd Martuljek - Kranjska Gora - Podkoren - Rateče - Rateče Sattel / Valico di Fusine / Ratschacher Sattel 850m - Fusine in Valromana - Raibl - Lago del Predil - (Predil Pass) - Sella Nevea / Nevea Sattel 1190m - (Marco Tunnel-Crash auf Rollsplitt 46.39220, 13.46556) - Saletto - Chiusaforte - Dogna - Pontebba - Passo di Pramollo / Nassfeldpass 1530m - Nassfeld - (Tröpolach) - Hermagor - St. Stefan im Gailtal - Windische Höhe 1110m - Kreuzen - Auf der Eben - A10 - Spittal an der Drau - Salzburg - München - Augsburg - Zusmarshausen - (Ulm) - Stuttgart - Pforzheim - Karlsruhe - Rastatt - Gernsbach

 

Reisedauer: 4 Tage

 

Gefahrene Strecke: 2126 Kilometer

 

Anzahl Pässe: 15

 

Wildcampen:

Das Wildcampen in Slowenien ist verboten! Vielerorts wird durch Hinweisschilder darauf aufmerksam gemacht. Besonders im Nationalpark ist dringend davon abzuraten, da diese rund um die Uhr von Rangern und Nationalpark-Guards überwacht werden.

Wird man erwischt sind saftige Bußgelder fällig, die auch direkt in Rechnung gestellt oder vollstreckt werden. Für das Befahren der Nationalpark-Wälder außerhalb der Hauptwege muss man tief in die Tasche greifen, 500 Euro Strafe sind hier fällig. Das wilde Campen im Wald mit Zelt kostet 100 Euro pro Person. Die Strafen für Einheimische weichen ein wenig von denen der Touristen ab.

Ein wenig Bargeld sollte man definitiv immer dabei haben, da sich durch das sofortige Bezahlen vor Ort die Summe der Strafe HALBIERT!!!

Die Ranger sind echte Heimat- und Naturliebhaber, Bestechungsversuche sind zwecklos!

Bei einem aufgeräumten Lagerplatz ohne Müll und Verschmutzungen und einem zivilisierten Gespräch mit den Rangern, hat man gute Chancen mit einem mahnenden Gespräch und einem kleinen Bußgeld davon zu kommen. ;)

 

Biwakieren:

Für das Biwakieren gelten vermutlich ähnliche Geldstrafen wie für das wilde Campen im Zelt.

 

Klima / beste Reisezeit:

Slowenien liegt in der gemäßigten Klimazone, wobei die unterschiedlichen Landschaften dafür sorgen, dass sich in Slowenien sehr unterschiedliche Klimazonen feststellen lassen. An der Adria-Küste im Südwesten ist das Klima mediterran mit sehr warmen Sommermonaten und einem sehr kalten Winter. Dies wird durch den sogenannten Fallwind Bora zusätzlich begünstigt. Im Nordosten hingehen ist das Klima deutlich kontinentaler. Dies bedeutet, dass die Sommer sehr heiß und die Winter kälter sind. Der Temperaturunterschied zwischen Sommer und Winter ist hierbei enorm. In den Julischen Alpen ist das Klima aufgrund der Höhenlage alpin. Die Winter sind hier sehr kalt und die Sommer nur mäßig warm. Fällt hier im Winter Niederschlag, fällt dieser sehr oft als Schnee.

Für eine Motorradtour durch Slowenien (inklusive Julische Alpen) würde ich den Zeitraum Juni bis September empfehlen.

 

Bußgelder / Strafen:

In Slowenien werden die Tempolimits nur mäßig überwacht. Die Polizei trifft man am Straßenrand abseits der Autobahnen nur selten an. Wird man jedoch bei einer Tempoüberschreitung erwischt, hagelt es saftige Bußgelder, die jedoch durch das sofortige Bezahlen vor Ort oder innerhalb einer Frist von 8 Tagen HALBIERT werden können. Ein schnelles Bezahlen des Strafzettels lohnt sich hier also.

 

Die Promillegrenze in Slowenien liegt aktuell bei 0,5 Promille.

 

Hier noch ein kleiner Auszug aus dem Bußgeldkatalog 2019:

- Alkohol am Steuer = ab 300 Euro

- Rotlichtverstoß = 300 Euro

- 20 km/h zu schnell = ab 80 Euro

- über 50 km/h zu schnell = ab 500 Euro

- Parkverstoß = ab 40 Euro

- Handy am Steuer = 120 Euro

- ohne Gurt fahren = 120 Euro

 

 

 

allgemeine Landesinformationen

 

Fläche: 20.273 km2

 

Einwohner: 2.064.241

 

Währung: Euro (EUR), 1 Euro = 1 Euro

 

Verkehr: Rechtsverkehr

 

Tempolimits:

50 km/h innerorts

90 km/h außerorts

100 km/h Kraftfahrt- und Schnellstraßen

130 km/h auf Autobahnen (Vignette wird benötigt!!! 7,50 Euro für 7 Tage)

 

Web-Infos: www.slovenia.info/de


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