SARDINIEN


(Hier geht es zu den Fotos der Reise.)

 

Sardinien, die italienische Insel im Mittelmeer wird von vielen Motorradfahrern als wahres Kurvenparadies angepriesen. Nach einer von viel Regen geprägten Tour in Schottland im Vorjahr, beschlossen mein Freund Marco und ich, dieses Jahr wieder ein Ziel anzusteuern, wo deutlich öfters die Sonne scheint und es so gut wie überhaupt nicht regnet. Sardinien erschien uns hierfür ideal. Leider sollten wir mit unserer Meinung zum Thema Sonne und Regen nicht ganz Recht behalten...

 

Im Internet habe ich mir die Marco Polo Karte von Sardinien bestellt und diese durch einige Highlights, kurvenreiche Strecken, die besten Strände, sowie Sehenswürdigkeiten ergänzt und farblich markiert. Gemeinsam haben wir eine Route ausgearbeitet, die die Highlights über vielversprechend aussehende Straßen miteinander verknüpft. Unsere Fähre haben wir im Januar 2018, direkt nach der Veröffentlichung des Fährplans der Fährgesellschaft Mobylines für die Saison 2018 gebucht, da man durch frühzeitiges Buchen bares Geld für die Tour einsparen kann.

 

15. September 2018 - 10:30 Uhr in der Früh, es geht endlich los! Nach einer ziemlich durchzechten Nacht und wenig Schlaf steigen mein Kumpel Marco und ich auf unsere Maschinen und brettern los. Unseren ersten Halt legen wir kurz vor der Autobahn in Rastatt ein, wo wir auf dem "Park&Ride"-Parkplatz mit einer Stunde Verspätung im Gepäck unseren Kumpel Viktor einsammeln. Viktor ist Russe und begleitet uns das erste Mal auf einer unserer Touren, mal schauen wie er sich so schlägt!

 

Gut gelaunt brettern wir zu dritt auf der Autobahn in Richtung Süden, wir wollen die verlorene Zeit vom Morgen ein wenig 'reinfahren', was uns bis zur Schweizer Grenze bei Basel jedoch nur teilweise gelingt. Ab jetzt ist wieder Schleich-Tempo angesagt, bloß keinen Blitzer kassieren, das könnte das Urlaubsbudget erheblich belasten.

 

Von Basel aus geht es auf der Autobahn über Luzern und durch den knapp 17 Kilometer langen Gotthard Tunnel bis Bellinzona, wo wir auf der Autobahnraststätte "Bellinzona Nord" mit unserem Kumpel Stefan verabredet sind, der uns nach seiner 2-tägigen Tour durch die Schweiz ebenfalls nach Sardinien begleiten wird.

 

4 Mann, 4 Motorräder, eine Insel und 9 freie Tage - Das wird ein Spaß!

 

Leider schleppen wir die Verspätung vom Morgen immer noch mit uns mit und so bleibt uns nichts anderes übrig, als ab jetzt etwas weniger zu pausieren und etwas mehr auf die Tube zu drücken, um es rechtzeitig zum Fährhafen in Genua zu schaffen, wo wir uns schon zwei Stunden vorm Ablegen der Fähre im Hafen einfinden sollen.

 

Durch Italien durch lassen wir es ordentlich krachen und erreichen pünktlich um 19:30 Uhr den riesigen Fährhafen, wo bereits tausende Fahrgäste darauf warten, an Board der unzähligen Fähren diverser Reedereien gelassen zu werden. Wir reihen uns in die Schlange ein und genießen die Vorfreude auf unsere Reise.

 

Gegen 20:30 Uhr dürfen wir schließlich an Board, der Schiffsrumpf gleicht einer Sauna und es ist ordentlich was los, schnell die Schlafsachen unter die Arme gepackt und nichts wie hoch an Deck, wo eine laue Sommernachtsbrise uns begrüßt.

 

Die Fähre legt pünktlich um 21:30 Uhr in Genua ab. Während wir es uns mit sardischem Bier und einem „separates the men from the boys drink“ (schottischer Whiskey) gut gehen lassen und den ersten Abend unter freiem Himmel genießen, bringt sie uns über Nacht unserem Zielhafen Stück für Stück näher.

 

Am nächsten Morgen erreichen wir um 8:00 Uhr die Hafenstadt Olbia. 20 Minuten nach dem Anlegen öffnet die Fähre ihre Schleusen und entlässt uns auf die Insel. Sardinien empfängt uns mit 32 Grad und Sonne pur. So muss es sein.

 

Wir brechen direkt in nördliche Richtung auf, unsere erste Etappe verläuft heute entlang der Costa Smeralda, dem Rummelplatz der Reichen und Schönen, an deren Küste es eine Vielzahl erstklassiger Sandstrände geben soll. Leider bekommen wir von der Straße aus keinen von diesen zu Gesicht.

 

Also fahren wir weiter zum Capo Ferro, von dem ich schon vor der Reise tolle Fotos gesehen habe. Leider ist das gesamte Kap eine streng bewachte Militärzone und der Plan vom tollen Foto löst sich in Luft auf, was jedoch schon auf dem Rückweg direkt wieder entschädigt wird, als eine Schildkröte über die Straße kreuzt. Es ist ein Prachtexemplar. Was für ein Glück, einem so tollen lebendigen Fotomotiv schon am ersten Tag auf der Insel zu begegnen. Unsere Freude auf die noch kommenden Tage steigt. Nachdem wir eine paar tolle Fotos eingefangen haben, setzen wir sie von der Straße runter in die Büsche und lassen sie dahinziehen.

 

Schnell weiter zum Capo d’Orso, einer Gesteinsformation in Bärenform, wo wir eine kleine Wanderung hinauf zum Bären unternehmen wollen. In der prallen Sonne, bei 35 Grad, marschieren wir in voller Montur und über etliche Stufen und Steine den Berg hinauf, was uns heftig ins Schwitzen bringt. Oben angekommen entschädigt uns die Aussicht über einen weiten Teil der Küste jedoch dafür. Der Bär wird streng bewacht. Erst nach langem Hin und Her und „Shakern“ mit der Security-Dame, dürfen wir die Drohne starten und unsere Aufnahme einfliegen. Dann geht es den ganzen Weg wieder bergab, wo wir auf dem Parkplatz eine ausgedehnte Trinkpause abhalten.

 

Unser nächstes Ziel ist Palau, wo es schöne Campingplätze gibt, die mit einer tollen Aussicht auf die vorgelagerte Insel La Maddalena und über das hellblau schimmernde Meer glänzen. Doch es ist noch zu früh um hier schon zu verweilen.

 

Über Santa Teresa Gallura fahren wir zum Capo Testa, dem nördlichsten Punkt der Insel, von wo aus wir eine gute Sicht übers Meer bis Korsika haben, wo die Altstadt Bonifacios auf weißen Kreideklippen thront. Die Parkplätze hier am Kap sind restlos überfüllt, aber wir wollen sowieso weiter, nächster Halt Costa Paradiso.

 

Die Costa Paradiso ist ein großer Küstenabschnitt mit vielen Stränden und zerklüfteten Felsformationen, die ins Meer hineinragen. Unzählige Ferienhäuser fügen sich hier in Gesteinsfarbe ins Landschaftsbild ein. Hier klappern wir ein paar Strände ab. Am schönsten wollen wir Baden gehen. So viel Meer und nicht ein einziges Mal bis jetzt darin gewesen, es wird Zeit. Ausgerechnet jetzt kippt das Wetter um und der Himmel färbt sich grau. Unsere Badepläne sind erstmal auf Eis gelegt.

 

Wir satteln auf und fahren weiter in Richtung Castelsardo, wo wir kurze Zeit später den nächsten Felsen in Tiergestalt erreichen. „L’elefante“, auf Deutsch „der Elefant“, ist ein lebensgroßer Elefant aus Stein, der direkt am Straßenrand steht. Jedes Jahr zieht er Unmengen Touristen an und dürfte wohl zu einem der beliebtesten Fotomotive Sardiniens zählen. Die Busse voll Touristen kommen in Scharen an. Als der Strom kurz abreist, nutzen wir unsere Chance für einen Ritt auf dem Elefanten. Geschafft, das Foto ist im Kasten.

 

Unsere Fahrt geht weiter nach Castelsardo, eine malerische Stadt mit großem Fischerhafen, die auf einem Berg direkt am Meer errichtet wurde.

 

Nach einem kurzen Tank- und Fotostopp düsen wir wieder in die Berge. Es ist spät geworden. Die Uhr am Motorrad zeigt 18 Uhr an und die meisten Geschäfte haben bereits geschlossen. Wir müssen noch Einkäufe für den Abend tätigen und einen Schlafplatz finden, solange es noch hell ist, da die Dunkelheit jetzt im September schon gegen 19:30 Uhr Einzug hält. Ein altes verlassenes Haus mit Dach wäre für die Nacht ideal, da es stark nach Regen aussieht.

 

Zügig fahren wir die Straße hinauf die in Richtung der Ortschaft Perfugas führt. Am Straßenrand finden wir viele Häuserruinen vor, die aber entweder ohne Dach oder aber ohne guten Zugang sind und uns somit leider nicht als Quartier dienen können.

 

Dafür finden wir in Perfugas den letzten noch offenen Supermarkt weit und breit vor, in dem wir uns mit Getränken für den Abend und ordentlich Wasservorräten zum Kochen und Spülen eindecken. Ein Volltreffer an einem späten Sonntagabend.

 

Die Dämmerung bricht ein. Nach einem gescheiterten Versuch ein verlassenes Haus über einen Feldweg zu erreichen, machen wir uns die moderne Technik zu Nutze und suchen per Satellitenbild nach einem geeigneten Schlafplatz. Dort drüben auf dem großen Hügel sollte etwas zu finden sein.

 

Ich setze eine Markierung in mitten der grünen Landschaft, zu der wir uns per Offline-Navigations-App hinleiten lassen.

 

Das Navi führt uns zur Ortschaft Laerru, wo wir uns über die Dächer der Stadt schrauben und einem Feldweg folgen. Unter den staunenden Blicken uns entgegenkommender Spaziergängerinnen und einem netten „bonna sera“ erreichen wir unseren Zielpunkt.

 

Mitten im Nirgendwo stehen wir auf einem riesigen Hügel, der in Wiesen und Weideflächen eingebettet liegt und starren auf die weit entfernten Lichter einer Ortschaft, die sich auf der anderen Seite der Senke befindet. Der perfekte Lagerplatz für die Nacht ist gefunden. Der Himmel ist mittlerweile auch wieder ein wenig aufgeklart und so sollte es eine trockene Nacht werden.

 

Gemütlich packen wir unser Kochgeschirr aus und machen einen Sitzkreis in der Mitte des Feldes. Eine warme Mahlzeit, das ist es jetzt, worauf wir uns alle schon den ganzen Tag gefreut haben. Die Nudeln kochen, das Bier fließt und die Stimmung ist heiter. Es war ein erlebnisreicher erster Tag auf der Insel, so kann es weiter gehen. Nach dem Aufbau der Zelte im Schutze der Nacht und einem fröhlichen Ausklang des Tages, fallen wir gegen Mitternacht in einen ruhigen, tiefen und erholsamen Schlaf.

 

Der dritte Reisetag bricht an, wir werden durch die aufgehende Sonne geweckt. Außer ein paar quakenden Kröten gab es keine Besucher heute Nacht. Eine tolle Aussicht haben wir hier oben auf unserem Grashügel, die wir beim morgendlichen Zähneputzen genießen. Um uns herum ist alles ruhig, was für eine Idylle.

 

Für heute steht wieder einiges auf dem Programm und so sehen wir zu, dass wir schnell unsere Sachen verpackt bekommen und aufbrechen können.

 

Der Feldweg, den wir gestern Abend hinauf gefahren waren, bringt uns zurück nach Laerru, wo wir die Abfälle des Abends entsorgen, die bei vier Mann nicht gerade gering ausgefallen sind.

 

Über Martis führt unsere Fahrt auf tollen kurvigen Landstraßen mit weitläufiger Aussicht bis nach Nulvi, wo wir eine Kaffeepause einlegen. Die Bikes parken wir in Sichtweite, auf der engen Durchgangsstraße der Ortschaft, direkt vorm Cafe. Wir stehen im absoluten Halteverbot, worauf uns direkt beim Absteigen, ein Gast des Cafes, sehr freundlich auf Deutsch, hinweist. Michael ist Sarde und hat früher in Deutschland gearbeitet. Heute sitzt er zusammen mit seinen Kumpels jeden Morgen im Cafe und genießt seinen Ruhestand. Jeder von ihnen hat ein Glas Weißwein vor sich stehen, was auf der Insel morgens um 11 Uhr keine Seltenheit zu sein scheint. Die Italiener wissen eben noch, was es heißt, langsam und mit Genuss in den Tag zu starten. Mit diesem Lebensstil könnte ich mich in der Rente mit Sicherheit auch anfreunden.

 

Mit der ersten Kaffeerunde, die liebevoll dekoriert serviert wird, macht sich bei uns allen ein wenig Hunger breit. In der Gebäckauslage des Dresens befinden sich allerdings leider nur noch zwei süße Teile, die wir zwar brüderlich teilen, von denen jedoch keiner von uns auch nur annähernd gesättigt wird. Michael sitzt am Nachbartisch und erkennt sofort unsere kleine Notlage. Bestimmend fordert er auf Italienisch die Kellnerin Maria dazu auf, zwölf neue Gebäckstücke für uns in den Ofen zu schieben und aufzubacken, die der Forderung direkt nachkommt. Nach 15 Minuten landen zwei volle Körbe mit warmen süßen Stücken auf unserem Tisch und wir können uns den Bauch vollschlagen. Danke Michael, dass du unser Frühstück gerettet hast.

 

Bei der zweiten Runde Kaffee ist es dann soweit, die Politesse läuft vorbei und verteilt allen falsch parkenden Autos ein Knöllchen. Unsere Motorräder bleiben jedoch von ihr verschont. Sie tut einfach so, als wären wir gar nicht da. Vermutlich um unnötigen Stress am Morgen aus dem Weg zu gehen, was sie jedoch vor den ausgemachten Küssen zur Strafabwendung von unseren Solo-Männern bewahrt. ☺ Was für ein friedliches Volk die Sarden doch sind.

 

Als wir uns gerade zum Gehen erheben setzt Starkregen ein. Wir springen alle unter den Schirm und legen unsere Regensachen an. Dann brechen wir auf. Von etwas Regen wollen wir uns heute nicht aufhalten lassen, die Kaffeepause war schon lange genug. Auf der alten Landstraße, die Michael und der Motorradjugend früher als Hausrennstrecke diente, gelangen wir von Nulvi über Osilo bis nach Sassari, wo sich der Regen langsam wieder legt.

 

In der Großstadt Sassari ist viel los. Hunderte Autos drängen in Richtung Zentrum, was uns viel Zeit und Nerven kostet. Vom Motorrad aus wollen wir die Stadt erkunden. Vorbei am Museum geht es durch die mit großem Steinen gepflasterte Altstadt, wo wir aufpassen müssen, dass uns die Räder nicht wegrutschen, da diese vom Regen noch ziemlich nass sind. Ich hatte mir ein wenig mehr von der Stadt erhofft und so fällt es uns allen nicht schwer, diese wieder fluchtartig zu verlassen.

 

Auf der Schnellstraße nehmen wir Kurs auf Porto Torres. Die Ausfahrt ins Industriegebiet ist unsere, wo wir die im Hafen anlegenden Fähren beobachten können. Nichts wie durch, durch das hässliche graue Industriegebiet.

 

In nördliche Richtung fahrend geht es weiter bis Stintio, wo wir allerhand Behördenfahrzeuge überholen, die allesamt zum Schutz der Wälder arbeiten und deren Aufgabe es unter anderem ist, Wildcamper aufzuspüren und diese zu vertreiben. Zum Glück ist unser Nachtziel für heute Abend noch weit entfernt.

 

Von Stintino aus steuern wir das Capo del Falcone an, wo sich einer der schönsten Strände Sardiniens befinden soll, der Spiaggia della Pelosa.

 

Und tatsächlich, der Strand übertrifft meine tiefsten Hoffnungen und Fantasien. Es ist wohl der schönste Strand den ich je gesehen habe, der den Stränden der Karibik locker das Wasser reichen kann. Weißer Sand fließt in einem Guss über in türkisfarbenes Wasser, das so klar ist, dass man jegliche Steine und Tiere darin mit bloßem Auge erkennen kann und es so wirkt, als würden die darin schwimmenden Menschen schweben. Leider haben schon viel zu viele Leute mitbekommen, dass es hier einen so wunderschönen Strand gibt. Die Parkplätze und der Strand sind restlos überfüllt.

 

Ich persönlich bin ja eher der Typ, der auf einsame und verlassene Strände steht, weshalb wir beschließen, unsere Lust zu Baden, erst an der Westküste, an einer weniger gut besuchten Badestelle, zu stillen.

 

Über Stintino, Pozzo San Nicola, Lampianu, Biancareddu und Palmadula fahren wir weiter bis Argentiera, eine einstige Touristen-Hochburg mit riesigen Hotelgebäuden, die heute eher verlassen wirkt. Umso besser sagen uns die Badebuchten zu, die man hier wie Sand am Meer vorfindet.

 

An der Cala dell‘ Argentiera legen wir unsere wohlverdiente Badepause ein. Wir schnorcheln, genießen die Sonne und das Meer und versuchen schon mal das Abendessen in Form von ein paar Fischen einzufangen. Leider gelingt dies nicht, da sich gerade keine Raubfische in der Bucht befinden, sondern nur solche, die eher an Algen und Seegras interessiert sind und unseren Köder gekonnt ignorieren. Ein toller Stopp, bei dem wir neue Energie auftanken, bevor wir uns wieder auf den Weg machen.

 

Durch ländliche Gebiete fahrend durchkreuzen wir den Nationalpark Porto Conte bis zum Ende des Cappo Caccia, wo sich die berühmte Tropfsteinhöhle Grotta di Nettuno befindet. Eine 2 Millionen Jahre alte Höhle auf Meeresniveau, in der man riesige Stalaktiten und Stalagmiten, sowie einen 120 Meter langen Salzsee bewundern kann.

 

Der Parkplatz liegt allerdings deutlich darüber, und so müssen wir erstmal die 654 Treppenstufen und 110 Höhenmeter der Klippe hinuntertraben, die uns vom Eingang der Höhle trennen. Der Weg hinunter ist sagenhaft. In die hohen Klippen hineingehauen windet sich der schmale Pfad Stufe für Stufe in Richtung Meer, was die Drohne in eindrücklichen Bildern einfangen kann, bevor sie fast von ein paar wild gewordenen Schwalben im Meer versenkt wird. Puhh, nochmal Glück gehabt! Ab sofort wird einer von uns die in der Umgebung umherfliegenden Vögel beobachten, wenn die Drohne zum Einsatz kommt.

 

Angekommen im Eingang der Tropfsteinhöhle schlägt die Temperatur schlagartig um. Waren es eben noch über 30 Grad, ist es drinnen deutlich kälter und sehr feucht, was eine drückende Schwüle verursacht. Schweißgebadete Menschen in klitschnassen T-Shirts kommen uns entgegen und die nächste Führung soll erst in 45 Minuten sein. Nach einer kurzen Abstimmung steht fest, dass wir die größten zu besichtigenden Tropfsteinhöhlen Europas zurücklassen werden, ohne ihren tiefsten Kern gesehen zu haben. Allen Tropfsteinhöhlenfans kann ich einen Besuch dorthin jedoch wärmstens empfehlen, da ich beeindruckende Bilder vom Inneren gesehen habe. Ein wenig Zeit sollte man hierfür jedoch einplanen, die uns in diesem Moment leider gefehlt hat.

 

Der Rückweg, das Hochrennen der 654 Treppenstufen, verlangt uns alles ab. Oben angekommen brauchen wir alle erst einmal eine Verschnaufpause. Die Oberschenkel brennen und wir pumpen jeder einen Liter Wasser auf Ex ab. Das Herz rast und unsere T-Shirts sind klatschnass. Echter Abenteuerurlaub, so muss es sein!

 

Weiter geht es entlang der Küste in Richtung Alghero, wo wir bei letztem Tageslicht auf dem Campingplatz „Village Laguna Blue“ einchecken und die Zelte errichten. Aber wir sind noch nicht fertig. Für heute Abend steht noch die Besichtigung Algheros auf unserem Plan.

 

Wir wechseln vom Motorrad- ins Freizeitoutfit und cruisen lässig in Richtung Zentrum. An der Uferpromenade ist mächtig was los.

 

Im Zentrum angekommen reihen wir unsere Motorräder bei den anderen ein. Riesige Parkflächen in Zentrumsnähe sind explizit den Zweiradfahrern vorbehalten. Eine motorradfreundliche Stadt, wie wir es bereits von vielen Städten Korsikas kennen. Die Helme fixieren wir sicherheitshalber per Spiralkabelschloss am Motorrad, wer weiß wie viele Langfinger sich hier rumtreiben.

 

Entspannt schlendern wir durch die schmalen Gassen, die von hunderten Laternen ausgeleuchtet sind und genießen die Atmosphäre. Tolle Geschäfte mit interessanten Schaufensterauslagen laden zum Bummeln und Verweilen ein. Von den klassischen Touri-Souvenirs über rote Korallenhalsketten bis hin zu spanischen Musketen-Replikas und Steinschlosspistolen ist alles dabei. Eine einzigartige Vielfalt, die ich so bisher in fast noch keiner Stadt angetroffen habe. Uns knurrt der Magen, eine deftige Mahlzeit kann jeder von uns nach diesem langen Tag vertragen. Wir nehmen in einer Pizzeria mit schönem Außenbereich zwischen den Gassen Platz. Die Pizza schmeckt hervorragend, typisch italienisch eben. Als Nachtisch essen wir noch ein Eis, um das sich die Massen vor der Eisdiele fast streiten. Tatsächlich macht es meinem Lieblingseisladen zuhause ernstzunehmende Konkurrenz. Die können’s einfach die Italiener.

 

Weiter geht es zu Fuß in Richtung Hafen, wo wir viele Gebäude im Katalanisch-gotischen Stil entdecken und den Glockenturm der Kathedrale „Santa Maria“ bewundern, der ein markanter Blickfang ist, da er die Dächer der Stadt weit überragt.

 

Im Hafen angekommen besichtigen wir die alten Kanonen und die historische Stadtmauer, die die Familie Doria im 11. Jahrhundert zum Schutz gegen die konkurrierenden Pisaner errichten ließ und die im 14. Jahrhundert von den Katalanen weiter ausgebaut wurde. Eine sehr gepflegter Schutzwall, auf dem man die Stadt wunderbar auf einem Spaziergang, von einer anderen Perspektive aus, betrachten kann.

 

Wir könnten noch Stunden hier verbringen, in dieser wunderschönen Stadt voller Leben, die besonders in den Abendstunden, wenn alles beleuchtet ist, einen ganz besonderen Charme versprüht. Leider müssen wir zurück zum Campingplatz, bevor dieser um 23 Uhr zur Nachtruhe seine Tore für motorisierte Fahrzeuge verschließt.

 

Dort angekommen liegt bereits alles im Schlaf. Vom Parkplatz gegenüber der Straße, wo sich ein Nachtclub oder eine Disco befindet, dröhnt noch laute Musik und es wird wild gefeiert. Bei einigen Bier und unter der Beschallung italienischer Pop-Songs, lassen wir gemütlich den Abend ausklingen, bevor die Musik verstummt und wir uns mitten in der Nacht in unsere Zelte verkriechen.

 

Der nächste Tag bricht an und hat eine unschöne Überraschung für uns parat. Es stürmt und regnet aus Eimern. Der komplette Campingplatz ist bereits völlig aufgeweicht und auch die Wettervorhersage macht keine Hoffnung auf eine baldige Besserung. Im strömenden Regen bauen wir unsere mit Matsch verschmierten Zelte ab. Das hatten wir nicht erwartet. Das Wetter erinnert mich momentan eher an Schottland als an eine Sonneninsel im Mittelmeer.

 

Im campingplatzeigenen Cafe nehmen wir noch einen Kaffee zum wach werden und ein Panini mit Schinken und Käse zur Stärkung zu uns. Dann brechen wir auf. Gut dass wir Alghero gestern schon besichtigt haben, bei diesem miesen Wetter bringt uns so schnell erst einmal nichts dazu, von der Maschine abzusteigen.

 

Unsere erste Etappe für heute verläuft auf der SP105 und der SP49. Ein 47 Kilometer langer Küstenstraßenabschnitt, der Alghero mit dem kleinen Fischerdörfchen Bosa verbindet und der uns tolle Ausblicke über die Weiten des Meeres gewährt. Der Himmel lichtet sich allmählich und wir können endlich wieder den Tanz und das Surfen um die Kurven in vollen Zügen genießen. Eine klare Empfehlung, diese Küstenstraße.

 

Angekommen im Örtchen Bosa, lassen wir die Blicke über die pastellfarbenen Häuser schweifen, sehen einem Fischer im Hafen beim Angel und trinken eine kalte Coke zur Erfrischung, dann fahren wir weiter nach Tinnura.

 

Tinnura ist ein verschlafenes Bergdorf, wo wir im ganzen Ort tolle Wandmalereien, die sogenannten „murales“, bestaunen. Unter anderem finden wir ein Gemälde, das die sogenannte Boes und Merdules zeigt. Fabelwesen mit langen Hörnern und schwarzen Masken, die von den Männern der Insel gerne zu Karneval als Kostüm getragen werden. Gruselig, furchteinflößend und laut soll er sein der sardische Karneval, besonders für die Kinder.

 

Wer tolle und farbenprächtige sardische Wandmalereien ansehen und bestaunen möchte, der sollte die Orte Tinnura, Fonni, Ogliastra und das einstige Banditennest Orgosolo besuchen. Das Spektrum der Malereien reicht von farbenfrohen Alltagsszenen über sardische Fabelwesen bis hin zu politischen Botschaften, die allesamt auf Hausfassaden gemalt wurden. Es sollte also für jeden Geschmack etwas dabei sein. Ich persönlich war total beeindruckt von den Gemälden und kann jedem empfehlen diese Orte zu besuchen.

 

Wir fahren weiter. Über Tresnuraghes und Sennariolo führt unsere Reise bis S’Archittu. Eine Ortschaft, von der aus man eine gute Aussicht auf den Torre del Pozzo hat, einem Strand mit riesiger Gesteinsformation im Meer, die ein wenig an einen Fisch oder ein U-Boot erinnert. Wow, was für eine Kulisse. Das Wetter lädt momentan allerdings eher mal wieder nicht zum Baden ein, der Himmel ist dunkelgrau.

 

Wir nehmen Fahrt auf und steuern den Salzsee „Stagno di Sale ‘e Procus“ an. Lange Zeit schon träumt es mir davon ein Foto auf einer vertrockneten und von Rissen durchzogenen Salzseeoberfläche zu machen. Als wir den ausgetrockneten See erreichen ist jedoch schnell klar, dass wir dieses Motiv heute nicht in den Kasten einfahren werden. Der Salzsee ist vom vorhergehenden Regen am Mittag total aufgeweicht und gleicht eher einem riesigen Matschfeld als einer ausgetrockneten Fläche mit Salzkruste.

 

Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Siegeswillig und mit angespannter Körpermuskulatur steuere ich meine treue betagte Bandit auf das riesige Schlammfeld. Bloß nicht umfallen, sonst war’s das hier, denke ich mir. Der Boden unter den Rädern und Füßen gibt schon beim Kleinsten Auftreten und unter dem schweren Gewicht der Maschine nach und alles versinkt fünf Zentimeter tief im Schlamm. Ich steuere einen Stein an, bei dem ich mein geliebtes Motorrad auf dem Seitenständer parken kann. Was für eine Aktion! Das Foto ist im Kasten, jetzt nichts wie raus hier! Doch ich merke sofort, dass dies kein leichtes Unterfangen werden wird. Faustdick klebt der Matsch unter dem Schutzblech, das erstmal seine Dienste einstellt, und ohne sich zu drehen nur noch wie ein Ski vorrausrutscht. Das Hinterrad dagegen dreht einfach nur noch an Ort und Stelle durch. Jetzt braucht es Manneskraft um mich aus dieser Situation zu befreien. Sofort stehen meine Kumpels bereit. Unter heftigem Schieben und Drücken und mit nur leicht kommen gelassener Kupplung arbeiten wir uns gemeinsam Meter für Meter zurück in Richtung Ufer. Der Schlamm spritzt umher und wir sehen alle aus wie frisch aus der Schlacht, als wir das grasbewachsene rettende Ufer erreichen. Man war das anstrengend, mein T-Shirt ist schweißdurchtränkt. Die Aktion für das coole Foto war es jedoch wert.

 

Eine kurze Inspizierung der Maschine steht an. Bremsen und Bremsscheiben voller Matsch – check. Schutzblech zugekleistert bis oben hin – check. Kette grau statt gold – check. Und das gesamte Equipment eingesaut bis oben hin.

 

Nachdem ich mit beiden Händen den Matsch unter dem Schutzblech herausgeschaufelt habe, kann es weiter gehen. Jetzt müssen wir erstmal eine Waschanlage aufsuchen um die technischen Funktionen der Maschine wiederherzustellen um eine problemlose Weiterreise sicherzustellen. Diese finden wir an einer nur wenige Kilometer entfernten Tankstelle. Glück gehabt.

 

Nach einer kurzen aber gründlichen Wäsche wollen wir weiter, doch das Wetter hält einen anderen Plan für uns bereit. Ein riesiger Wolkenbruch ergießt sich über uns und reißt riesige Äste von einer neben uns stehenden Palme ab. Schnell schieben wir die Bikes unter das Zelt der Auto-Saug-Station, wo wir ein wenig Unterschlupf finden und wenigstens vor den Wassermassen von oben geschützt sind. Mit diesem Wetter hat keiner von uns jetzt im September gerechnet, da dieser im Durchschnitt nur 2 Regentage hat. Die Insel scheint aktuell jedoch unter zweimonatigem Dauerregen zu leiden, was uns ein Radfahrer erzählt, der sich zu uns unter das Zeltdach gesellt. Wir verbringen unsere halbstündige Zwangspause mit ihm, bis der Himmel ein wenig aufklart und es endlich weiter gehen kann.

 

Über Riola Sardo, Nurachi und Donigala Fenughedu gelangen wir zur Autobahn kurz vor Oristano, die wir in nordöstliche Richtung mit Tempo auf dem Tacho hinauf bis Paulilatino ballern. Jetzt sind wir wieder trocken. Im örtlichen Supermarkt tätigen wir die abendlichen Einkäufe, bevor es auf der SP11 in Richtung Ula Tirso weiter geht. Eine tolle Landstraße mit Kakteen, Kurven, Steigungen und Senken, die ordentlich Laune macht. Kein Auto weit und breit, nur eine Herde freilaufender Kühe kreuzt unseren Weg.

 

Die Dämmerung bricht an. Es ist Zeit den geplanten Lagerplatz zu erreichen, wo für heute ein ganz spezieller Plan auf dem Programm steht.

 

Der Lago Omodeo bei Ula Tirso ist ein 20 Kilometer langer Stausee, in dessen Wasser sich eine fast völlig überschwemmte Villa befindet, die „casa a fantasma“, was übersetzt „das Geisterhaus“ heißt. Einst ein prunkvolles Gebäude mit riesigem Anwesen, einem Springbrunnen und Palmen im Garten, gibt es heute ein phänomenales Fotomotiv ab. Der Einbruch der Dunkelheit gibt den Rest dazu und verwandelt das „schwimmende Haus“ in eine schaurige Kulisse. Genau hier wollen wir heute übernachten.

 

Während Stefan und ich tolle Fotos einfangen und die Zelte aufbauen, kümmern sich Marco und Viktor um unser Abendessen. Frisch gefangener Fisch auf dem Grill soll es heute sein. Und tatsächlich kommen die beiden nach einer halben Stunde mit zwei schönen Exemplaren Schwarzbarsch ums Eck marschiert. So muss es sein.

 

Die Vorbereitungen für unser Schlemmermal sind eröffnet. Die Fische werden ausgenommen und entschuppt und landen wenige Minuten später fangfrisch auf dem brutzelnden Grill Marke Eigenbau, der wie gewohnt gute Arbeit verrichtet. Als Beilage stehen wie so oft Nudeln mit diversen verschiedenen Soßensorten auf dem Programm. Heute geht niemand von uns hungrig „ins Bett“. Wir genießen den Abend mit einer Palette „ichnusa“, dem einheimischen Bier der Sarden und freuen uns über trockenes Wetter und unsere tolle Nachtlocation.

 

Der nächste Tag bricht an und weckt uns mit Sonne, worüber wir sehr heiter sind. Bevor es losgeht hängen wir unsere sieben Sachen noch an einer riesigen Wäscheleine zum Trocknen auf und packen die Zelte zusammen. Heute steht jede Menge Action und eine Offroad-Expedition auf dem Programm. Wir sind bereit.

 

Wir verlassen das Haus im See und nehmen Kurs in Richtung Süd-Westen. Unseren ersten Stopp legen wir am Stagno di Santa Giusta ein, wo wir das erste Mal auf dieser Reise Flamingos entdecken. Geschützt durch hohes Schilfgras schleichen wir uns an, da diese sehr schreckhaft sind und schon bei der kleinsten Bewegung in ihrem Blickfeld Reißaus nehmen. Wir beobachten sie ein wenig und schießen ein paar Fotos, dann geht es weiter.

 

Ein kurzer Abstecher zum Hafen in Arbus und direkt weiter zu unserem heutigen Tages-Highlight, der Costa Verde, die grüne Küste, die auch die Sahara Sardiniens genannt wird.

 

Auf einer sandigen Offroadpiste fahren wir hinein ins Herz des riesigen Dünengebiets, wobei wir zwei Flüsse mit dem Motorrad durchqueren müssen. Das erste Mal durch eine Furt gefahren, yeahhh, was für ein cooles Erlebnis. Alle Mann und Maschinen kommen trocken auf der anderen Seite an. Eine spitzenmäßige Erfahrung.

 

Am Ende der Sandstraße erreichen wir die „Dune di Piscinas“, eine riesige Sanddüne, die sich weit ins Landesinnere vorgearbeitet hat. Hier parken wir unsere Maschinen und machen eine kleine aber sehr schweißtreibende Wanderung durch die „kleine Sahara“. Nichts als Sand weit und breit.

 

Ach, wie muss es wohl mitten in der Wüste sein, denke ich mir und schütte einen Liter Wasser in mich rein, als wir zurück bei den Motorrädern sind.

 

Auf der Offroadstraße geht es weiter, die uns in Richtung der Landstraße SS126 führt.

 

Bevor wir diese erreichen, führt uns der Weg noch durch Ingurtosu, eine verlassene Minenstadt, wo im 18. Jahrhundert nach Zink und Blei gegraben wurde. Es müssen goldene Zeiten für die Arbeiter gewesen sein. Die Mienen galten damals als die größten Europas. Die letzten Zeugen dieser Zeit sind die verlassenen Gebäude der Minenstadt, die langsam aber sicher verfallen.

 

Wenig später erreichen wir die SS126 und es beginnt zu regnen. Den tollen kurvigen Streckenabschnitt zwischen Arbus und Fluminimaggiore wollen wir uns jedoch nicht entgehen lassen. Wir brettern die SS126 hinauf nach Arbus und wieder zurück bis Portixeddu. Ein geiles Stück Asphalt!

 

Den nächsten Halt legen wir an der Cala Domestica ein, einer breiten Bucht mit schönem Sandstrand über der ein alter Wachturm thront. Die meisten Badegäste haben den Strand bereits verlassen und die Sonne verschwindet langsam hinterm Horizont. Wir genießen einen Moment der Ruhe, bevor wir wieder aufbrechen. Ein kleines Stück liegt heute noch vor uns.

 

Zügig fahren wir weiter bis Masua, eine alte Bergbaustadt, deren Glanzzeiten schon längst vergangen sind. Dafür gibt es hier aber allerhand zu entdecken. Herrliche Sandbuchten reihen sich getrennt durch zerklüftete Steilhänge an der Küste aneinander und geheimnisvolle Grotten laden zu Erkundungstouren ein. Das mit Abstand größte Highlight ist jedoch der 133 Meter aus dem Meer ragende Felsen, der den Namen "Pan di Zucchero" (Zuckerbrot) trägt.

 

Hier wollen wir heute Nacht bleiben, wir müssen nur noch einen geeigneten Schlafplatz ausfindig machen.

 

Als erstes fahren wir einen mit Camping-Schildern ausgewiesenen Platz an, auf dem sich ein Wohnmobil an das andere reiht. Zwischen den fahrenden Plastikhäusern möchte ich die Nacht nicht verbringen und gegen die Wohnmobile starren. Ein schöner Platz mit guter Aussicht auf den "Pan di Zucherro" muss her.

 

Nach vergebenem Abfahren der Schotterwege entlang der Küste und dem Versuch einen Lagerplatz in den höher gelegenen Bergen ausfindig zu machen, treffen wir eine Entscheidung. Wir werden die Nacht auf dem Aussichtsplateau verbringen, das sich über dem Wohnmobilstellplatz befindet. Das Wildcamp-Verbot im Hinterkopf, wollen wir es heute Nacht riskieren, unsere Zelte hier aufzuschlagen.

 

Die Sonne ist bereits untergegangen, als wir den schicken Lagerplatz mit einem Bier begießen und uns ans Kochen des Abendessens machen. Gegen ungebetene Gäste in der Nacht spannen wir ein Sperrseil mit daran geknüpften Plastiktüten über den Weg, das den ab und an auf dem Schotterweg vorbeifahrenden Autos symbolisieren soll, dass dieser Platz bereits belegt ist. Im Schutz der Dunkelheit bauen wir unsere Zelte auf und fallen in einen tiefen Schlaf.

 

Die Nacht verläuft ruhig. Als wir am nächsten Morgen von der Sonne geweckt werden bereut keiner von uns die gestrige Entscheidung, unseren Lagerplatz hier zu errichten. Die Aussicht übers Meer und den "Pan di Zucchero" ist gigantisch schön. Noch schnell einen Kaffee zum wach werden, die Zähne geputzt und die Zelte verpackt und schon sind wir wieder "on the road".

 

Unser nächstes Ziel ist Nebida, ein verschlafenes Bergdorf hoch über dem Meer, das wir wenige Minuten später erreichen. Einen rosafarbenen Strand soll es hier geben, tief unten am Meer, den Porto Banda.

 

Nach längerer Suche der richtigen Straße, die kaum beschildert ist, werden wir fündig und fahren hinab. Der Schotterparkplatz, der steil am Hang liegt, hat riesige vom Regenwasser ausgespülte Fugen und der Holzweg hinunter zum Meer ist total zerfallen. So wie es aussieht hat diesen Strand schon lange kein Tourist mehr besucht. Eine zerfallene Ruine thront über dem Strand, an dem im Laufe der Zeit viel Müll und Strandgut angespült wurde. Die Aussicht vom Strand ist dafür genial und die Drohne bringt zum Vorschein was sich unter der Wasseroberfläche verbirgt.

 

Ein toller Ort für Menschen wie uns, die auf das Entdecken längst verlassener Orte stehen. Die rosa Farbe hat der Kiesstrand übrigens von den darum stehenden Bergen, die das Meer und der Winde im Laufe der Zeit Stück für Stück abgetragen haben. Ein sagenhafter "Lost Place".

 

Weiter geht unsere Reise nach Gonnesa, wo wir die Maschinen auftanken, einen Kaffee zu uns nehmen und Fatti Fritti zum Frühstück verspeisen. Fatti Fritti sind sardische Krapfen, die von der Form her Donuts sehr ähnlich sind und geschmacklich den deutschen Berlinern gleichzusetzen sind. Sie sind ein traditionelles sardisches Karnevalsgebäck.

 

Über San Giovanni fahren wir nach Porto Ponte Romano, wo wir viele Flamingos in den umliegenden Salzpfützen des Stagno di Santa Caterina beobachten können. Die daran anknüpfende Straße hinein ins Salzwerk ist genial. Rosafarbene Salzanbaubecken liegen links der Straße und im Salzwerk türmt sich das weiße Gold zu meterhohen Bergen auf, die wohl den Monatsbedarf von ganz Europa abdecken könnten, phänomenal.

 

Die rosafarbenen Salzwasserbecken wecken meine Träume von Bolivien, einem Land mit atemberaubender Natur und sehenswerten Naturschauspielen, das ich zu gegebener Zeit mit dem Motorrad bereisen möchte.

 

Die Straße durch das Salzwerk endet bei Is Pistis. Auf der SS195 und der SP73 gelangen wir zum Spiaggia di Porto Pino, einem weitläufigen Strand, der in Form einer Sandbank eine Inselspitze mit dem Ort Porto Pino verknüpft und ein beliebtes Badedomizil ist.

 

Aber wir sind hungrig nach Kurven und so reihen wir den Badespaß erstmal noch hinten an.

 

Die Küstenstraße SP71 im Süden der Insel kommt uns wie gerufen und ist das ideale Revier, um das Motorrad ordentlich durch die Kurven zu scheuchen. Wir lassen es krachen. Tolle Aussicht und kleine Sandstrandbuchten findet man hier an jeder Ecke. Geil ist es hier!

 

Der Planet brennt. Es wird Zeit für eine Badepause, die wir am karibischen Spiaggia di Tuerredda einlegen.

 

Wir springen in die Badehosen und hechten ins smaragdblaue Meer. Eine klasse Erfrischung nach langem Schwitzen unter der Kombi bei 35 Grad.

 

Angelockt durch unsere Drohne, lernen wir Charles aus Deutschland kennen. Der Vater Sarde, die Mutter Deutsche, verbringt er gerade seinen Urlaub im elterlichen Ferienhaus auf der Insel. Seit seiner Trennung im letzten Jahr hofft er darauf, an den sardischen Stränden seine Traumfrau zu finden. Die Suche verlief bisher jedoch vergebens. Wir müssen weiter. Nach einer kurzen Unterhaltung verabschieden wir uns wieder von ihm. "Viel Erfolg bei deiner Mission Charles und Danke für das Bier."

 

Beim Aufsteigen auf die Motorräder setzt Regen ein, nichts wie weg hier. Wir nehmen Kurs in Richtung Hauptstadt auf.

 

Während der Fahrt wird aus dem anfangs noch erträglichen Nieselregen ein heftiger Regenschauer und die Sicht unterm Visier verschlechtert sich erheblich. Das Wasser fließt zentimeterhoch über die Straße und die meisten Autos fahren rechts an, wir folgen ihnen.

 

Unter einer Bushaltestelle finden wir Schutz vor den Wassermassen, die selbst die Gullis nichtmehr geschluckt bekommen. Das Wetter hatten wir uns definitiv anders vorgestellt.

 

Als der heftige Regenschauer endlich nachlässt, schwingen wir uns zurück auf die Maschinen und fahren langsam weiter. Die Laune ist etwas getrübt, die Klamotten sind nass und unsere Mägen knurren. Zeit für eine Essenspause zur Erholung.

 

In der Ortschaft Pula steuern wir alle Pizzerien an die wir finden können, die jedoch allesamt geschlossen haben. Unsere letzte Chance auf Essen ist ein Café, wo wir im freien unter Schirmen Platz nehmen. Der Kellner erklärt uns aber schon kurze Zeit darauf, dass fast alle Gerichte der Speisekarte gerade nicht zu bekommen seien und er uns nur ein paar getoastete Sandwichs machen könne. Besser als nichts, unsere Mägen danken es ihm.

 

Nach der Stärkung fahren wir weiter bis Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens. Um keine Zeit zu verlieren und den Großstadtverkehr zu meiden, nehmen wir die Autobahntangente, die in weitem Bogen um das Zentrum der 154.000-Einwohner-Stadt verläuft.

 

Auf der SS131 und der SS197 gelangen wir nach Villamar, wo wir Steaks und eine Flasche Whiskey für den Abend kaufen, da wir immer noch sehr hungrig sind.

 

Es dämmert bereits, als wir kurz nach der Ortschaft auf einen Feldweg abbiegen um uns auf die Suche nach einem schönen Platz für die Nacht zu begeben, der dieses Mal nicht lange auf sich warten lässt. Mein guter Riecher hat mich wieder einmal nicht im Stich gelassen. Umringt von mehreren Städten in weiter Ferne, schlagen wir unsere Zelte am Wegesrand auf einem riesigen Feld auf und brutzeln die Steaks, die nach diesem kräftezehrenden Tag nicht besser sein könnten. Mit der Flasche Whiskey lassen wir mit Sicht zu den Sternen den Tag ausklingen, bevor wir uns die Zelte verkriechen.

 

In der Nacht bleibt es zum Glück trocken, was uns den Abbau der Zelte am Morgen erleichtert.

 

Heute steht Kultur auf dem Programm. Wir packen unsere Sachen zusammen und nehmen Kurs auf Barumini. Auf einer Anhöhe rund einen Kilometer ausserhalb der Stadt befindet sich die Nuraghe "Su Nuraxi", welche die am besten erhaltene Groß-Nuraghe der Insel ist.

 

Nuraghen sind prähistorische und frühgeschichtliche Turmbauten der Bonnanaro-Kultur (2200 - 1600 v. Chr.) und der mit ihr untrennbar verbundenen, nachfolgenden Nuraghenkultur (etwa 1600 - 400 v. Chr.) auf Sardinien.

 

Ihr Zweck ist umstritten. Diskutiert wurde sowohl eine Nutzung als Kultstädte, als Grabanlage oder als Wohn- und Befestigungskomplex. Neuere Untersuchungen favorisieren letztere Alternative. Die archäologische Städte "Su Nuraxi" zählt seit 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

 

Dort angekommen, schicken wir direkt die Drohne in den Himmel. Der Baustil und die Ausmaße der Anlage sind faszinierend und gelangen erst durch die Ansicht aus der Luft zu voller Geltung. Hunderte kreisförmiger Kammern, Türme und Zimmer stehen auf dem Feld, die in asymmetrischem Schema errichtet wurden. Eine sagenhafte Baukunst, die schon über 3000 Jahre der Geschichte überdauert hat. Ich bin beeindruckt, ein wahres Meisterwerk frühgeschichtlicher Architektur. Klick, klick, klack und die Bilder sind im Kasten. Kurz nach dem Einholen und Verstauen der Drohne fährt eine Polizeistreife langsam und Ausschau haltend bei uns vorbei. Vermutlich sind sie auf der Suche nach dem Piloten der Drohne, da das Fliegen hier eigentlich nicht gestattet ist. Schwein gehabt!

 

Nach diesem kulturellen Highlight am Morgen stehen für den Nachmittag kurvige Passstraßen und eine spaßige Fahrt durch das Gennargentu-Gebirge auf dem Programm.

 

Auf der SS197, der SS128 und der SS198 gelangen wir nach Sadali, eine kleine Ortschaft die sich kurz vor Seui befindet.

Von hier aus geht es auf der SP8 weiter, die den Einstiegspunkt unserer Fahrt durchs Gebirge markiert.

 

Über Seulo, Gadoni, Aritzo und Desulo fahren wir bis nach Fonni. Kurvig führt die Straße durch wilde Wald- und Berglandschaften. Der Regen ist dabei leider unser treuer Begleiter.

 

Fans von engen, nicht enden wollender Kurven kann ich diese Strecke nur wärmstens empfehlen. Hier kommt jeder voll auf seine Kosten und die Ausblicke über die Tiefebenen und auf das Kalksteingebirge sind sagenhaft.

 

Von Fonni aus fahren wir bergab in Richtung Osten. Wir wollen auf die Autobahn SS389, die ebenfalls mitten durch das Gennargentu-Gebirge verläuft. Die Beschilderung der Autobahnauffahrten ist mehr als mangelhaft, sodass wir uns erst einmal mit Hilfe von Karte, Kompass und Offline-Navigations-App orientieren, um nicht kilometerweit in die falsche Richtung zu fahren.

 

Bezüglich korrekter und durchgängiger Beschilderung hinkt Sardinien im Vergleich zu Korsika deutlich hinterher, was Punktabzug beim Thema Navigation zur Folge hat.

 

Wir nehmen die Auffahrt in Richtung Süden. In flottem Tempo folgen wir der Autobahn bis kurz vor Lanusai, wo wir sie auf die SS198 verlassen.

 

Das regnerische Wetter macht müde und die Konzentration lässt bei uns allen allmählich nach. Es ist Zeit für eine Kaffeepause. In der Ortschaft Gairo Sant' Elena steuern wir das erstbeste Café an.

 

Am Nachbartisch unterhalten sich lautstark und wild mit den Händen gestikulierend vier Sarden, sodass wir unser eigenes Wort kaum verstehen können. Der Kaffee schmeckt jedoch ausgezeichnet und das zu einem unschlagbaren Preis von nur einem Euro und fünfzig Cent. So wenig habe ich schon lange nichtmehr für eine gute Tasse Kaffee bezahlt. Es scheint sich gelohnt zu haben die Reise in die Nebensaison gelegt zu haben. Nach einer kurzen aber kraftauftankenden Pause fahren wir weiter.

 

Unser nächstes Ziel ist das Dorf Gairo Vecchio, das wir auf einer schmalen Straße kurz nach der Ortschaft Gairo Sant' Elena erreichen. Hunderte Ruinen verlassener Häuser stehen hier im Hang. Gairo Vecchio ist ein Geisterdorf, ein "paese fatasma", wovon es einige auf Sardinien gibt. Dieses hier ist wohl das bekannteste und spektakulärste von ihnen, das eine traurige Geschichte zu erzählen hat.

 

Der Name "Gairo" stammt von den griechischen Wörtern "ga" und "roa" ab, was so viel wie fließende Erde bedeutet und ein Hinweis auf die bewegende Geschichte des Dorfes ist.

 

Im Jahr 1951 kam es zu einem unüblich starken und sechs Tage anhaltendem Wolkenbruch, der Erdrutsche und heftige Schlammlawinen zur Folge hatte und die Bewohner zum Verlassen ihrer Behausungen zwang. Als das Unwetter vorüber war, beschlossen die Bewohner das Dorf aufzugeben und es an einem sicheren Ort wieder neu zu errichten. Eine Einigung über den besten Ort konnte jedoch nicht erzielt werden. Die einen wollten ein wenig weiter oben am Hang bauen, die anderen wollten auf felsigerem Grund bauen und wieder andere wollten ganz weg in die Ebenen. Das Dorf spaltete sich in drei neue Teile, die heutigen Orte Gairo Sant' Elena, Gairo Taquisara und Gairo Cardedu.

 

Seit dem stehen sie hier, die verlassenen und zerfallenen Ruinen von Gairo Vecchio, die jene Katastrophe von damals noch erahnen lassen.

 

Die Fahrt durch das mystische Geisterdorf war für uns alle ein Erlebnis der besonderen Art.

 

Unser Weg führt weiter nach Ulassai, in dessen Nähe sich ein geplantes Haupthighlight der Reise befinden soll.

 

Auf engen gepflasterten Gässchen schlängeln wir uns bergauf durch die Ortschaft und folgen einer schmalen Straße aus ihr hinaus, die uns durch ein von tiefen Schluchten und malerischen Felslandschaften gezeichnetes Tal führt. Wir wollen zum "Cascata di Lequarci", einem riesigen und wunderschönen Wasserfall. Die Beschilderung ab Ulassai ist ausgezeichnet.

 

Als wir die GPS-Koordinaten 39.7915258, 9.4532693 erreichen, ziehen wir alle lange Gesichter. Der gesamte Wasserfall ist komplett ausgetrocknet und führt keine 100 Liter Wasser mehr und das trotz den Regenfällen den ganzen Vormittag über. Die Enttäuschung steht uns ins Gesicht geschrieben. Der gesamte Hang des Wasserfalls ist bereits mit Pflanzen und Sträuchern überwachsen, es scheint schon lange kein prächtiger Wasserfall mehr zu sein. Es läuft eben nicht immer genau nach Plan. Nichts wie weg hier.

 

Wir fahren zurück bis Ulassai und schlängeln uns die tolle und kurvige Bergstraße hinab bis Bari Sardo, das mit knapp 4000 Einwohnern eine sehr belebte Kleinstadt ist. Viele Kinder versammeln sich am Straßenrand. Sie klatschen mit uns ab und wollen, dass wir die Motoren aufheulen lassen. Sie jubeln und feiern ein Fest der Freude als wir ihrem Wunsch nachkommen, die Drehzahl nach oben schießt und der bassige Sound der Motoren zwischen den Gebäuden der engen Hauptstraße erschallt. Was für ein Spaß!

 

Nach einem kurzen Tankstop wählen wir die SS125 in Richtung Norden, die wir bei Tortoli verlassen, um die Einkäufe für den Abend zu erledigen.

 

Es dämmert bereits als wir das letzte Ziel des heutigen Tages erreichen, den "Rocce Rosse" von Arbatax. Ein paar Langzeitbelichtungen später haben wir den im Abendlicht orange leuchtenden Felsen im Kasten. Ein gelungener Foto-Tag.

 

Die Nacht hält Einzug. Übernachten wollen wir heute auf dem Campingplatz "Villagio Tellis", der sich nur zwei Kilometer vom Felsen entfernt befindet und einen großen Pool sowie eine riesige Badebucht direkt am Meer zu bieten hat. Der gesamte Campingplatz ist übrigens in Terrassen angelegt, was jedem Gast eine tolle Aussicht über das Meer verschafft.

 

Als wir der Rezeptionsdame die eben erst geschossenen und sehr gut gelungenen Fotos des "Rocce Rosse" präsentieren, ist diese total aus dem Häuschen und bestellt direkt den Chef des Platzes herbei. Wir zeigen ihm unsere Reisefotos der Insel und erläutern ihm, dass wir einen Reisebericht verfassen werden, woraufhin er uns direkt den schönsten Zeltplatz des Campingplatzes zuteilt, nämlich der direkt über dem Pool mit toller Aussicht über das Meer. Mille grazie signore!

 

Nach einem halbstündigen Smalltalk mit einem Franzosen zu den Themen Spiegelreflexkameras und Fotografie, schlagen wir unsere Zelte auf und holen vier Pizzen in der Pizzeria vor Ort. Den letzten Abend wollen wir gebührend feiern. Das Kochen fällt heute flach und das sardische Bier läuft in vollen Zügen unsere Kehlen hinunter. Wir unterhalten uns prächtig, sind fleißig am Lachen und lassen unsere vergangenen Tage revue passieren.

 

Was für eine tolle Reise es bisher doch war! Unzählige Highlights konnten wir schon besuchen und viele aufregende Momente haben wir erlebt, die wir für immer in unseren Gedanken mit uns tragen werden. Eine Perle des Mittelmeeres bist du, du wunderschöne und wilde Insel Sardinien. Mal sehen was der morgige Tag noch für uns bereit hält, ein letzter Tag steht uns ja zum Glück noch bevor.

 

Auf unseren Koffern im Sitzkreis vor den Zelten sitzend genießen wir den Abend im T-Shirt, was Dank der lauen Sommernachtsbrise sehr angenehm ist.

 

Kurz nach Mitternacht trifft ein Hippie-Pärchen auf dem Campingplatz ein.

Ohne ein Wort zu sagen oder zu Grüßen errichten sie ihr Zelt in etwa 20 Metern Entfernung zu unseren Zelten und verkriechen sich sofort darin.

 

Nach einer knappen halben Stunde kommt der Dreadlock-Hippie-Typ wieder aus dem Zelt gekrochen und pflaumt uns ein wenig an, ob wir leiser seien könnten, da er und seine Freundinn nicht schlafen könnten. Wir erwiedern ihm dass wir sowiso gerade vorhatten uns schlafen zu legen und dass es in fünf Minuten leise sein wird. Die Sache hat sich somit erledigt, oder etwa doch nicht?

 

Als ich es mir gerade im Schlafsack gemütlich gemacht habe und die Augen schließen möchte, kracht mit voller Wucht und einem lauten Schlag etwas aufs Zelt, welches sich fast bis zum Boden durchbiegt und dann Dank der flexiblen Zeltstangen wieder zurück in den Normalzustand federt. Etwas ziemlich schweres hat mich am Fuß erwischt. Was war das???

 

Wie von der Tarantel gestochen schiebe ich mich aus dem Schlafsack, reiße den Reisverschluss der Zelttür auf und springe nur mit Boxershorts bekleidet hinaus in die Nacht. Adrenalin pumpt durch meinen Körper und ich bin stinksauer.

 

Draussen vorm Zelt ist jedoch alles still und nirgendwo ist eine Bewegung auszumachen. Das Rauskommen aus dem Zelt hat einfach zu lange gedauert. So ein Mist!

 

Schnell schnappe ich nach der Taschenlampe im Zelt. An meinem Fuß zeichnet sich eine Schramme ab, aus der langsam ein wenig Blut entrinnt.

 

Vom Gewicht her hätte es wohl ein voller Motorradkoffer von uns sein können, die wir draussen hinter den Zelten gelagert haben. Diese stehen jedoch noch sauber in Reih und Glied. Und auch von einem anderen schweren Gegenstand rings ums Zelt herun fehlt jede Spur. Auch eine Etage tiefer um den Pool herum ist nichts zu sehn.

 

Ich vermute einen Angriff von Seite des Hippies oder vom Kamera-Franzosen auf der Terasse über uns, da die Wurf- und Einschlagrichtung ins Zelt auch zu einer Flugbahn von oben passen könnte.

 

Leider fehlt mir jeglicher Beweis.

Feiges Schwein, du kannst von Glück reden, dass ich dich nicht in die Finger bekommen habe! Mal sehen wie sich die Beiden morgen Früh verhalten werden.

 

Wiedereinmal hat sich meine Camping-Weisheit "Wo nichts ist, kann nichts passieren" bewahrheitet, weswegen ich in der Regeln die Wildnis den Campingplätzen vorziehe. Voller Wut im Bauch gehe ich zurück ins Zelt und falle in einen tiefen Schlaf. Der Rest der Nacht verläuft ruhig.

 

Der nächste Tag bricht an und weckt uns mit strahlendem Sonnenschein. Die Jungs sind sprachlos als ich ihnen von dem Geschehen der Nacht erzähle. Doch wir lassen uns die Laune davon nicht vermiesen und starten den Tag mit einem ausgiebigen Geplansche im Pool und anschließendem Faulenzen auf der Sonnenterasse, von der aus wir eine gute Sicht zu den Zelten haben.

 

Das Hippie-Pärchen lässt sich den ganzen Morgen über nicht blicken was sie sehr verdächtigt macht. Ihr Zelt steht unberührt am Platz, eine Bewegung darin ist nicht zu verzeichnen. Haben sie Angst rauszukommen, jetzt wo es Tag ist?

 

Doch auch dass der Franzose mit seinem Kleinkind die Treppe hinunter gelaufen kommt und mein "Hallo" nicht erwiedert ist mehr als merkwürdig. War er es gestern Nacht, oder möchte er nur vor seinem Kind die "Bikergruppe" nicht begrüßen.

 

Es steht 50 zu 50. Füt eine Handlung gibt es zu wenig Anhaltspunkte. Insgeheim tippe ich jedoch auf den siffigen Hippie, der sich bis zu unserem Verlassen des Campingplatzes nicht blicken lässt. Der Blitz soll dich treffen du Feigheit von Mann.

 

Wir begleichen die Campingplatzgebühren und starten los. Der letzte Tag auf der Insel steht an und wir haben noch ein wenig Action auf dem Programm.

 

Voller neuer Energie fahren wir in die von hellen Kalkbergen des Supramonte umgebene Hochebene von Baunei. Wir folgen dabei den Wegweisern „Su Golgo Su Sterru“, wo es laut meinem italienischen Freund Riccardo allerhand zu entdecken geben soll. Die Straße geht von Asphalt in Schotter über und führt uns auf eine trockene Hochebene wo Esel und Ziegen grasen. Die Motorräder parken wir in der Nähe der weißen Kirche „Chiesa di San Pietro al Golgo“. Ab hier geht unsere Exkursion zu Fuß weiter.

 

Bei fast 40 Grad und praller Sonne kämpfen wir uns in den Motorradkombis durch unwegsames Gelände und durch ein ausgetrocknetes Flussbeet, bis wir die vom Navi angezeigten Koordinaten fast erreicht haben. Ein riesiges Loch mit einem Durchmesser von knapp 6 Metern liegt uns zu Füßen. Ein Zaun damit niemand hineinfällt - Fehlanzeige. Viele dieser tiefen Löcher kann man hier finden, die durch das Absacken diverser Karstschichten auf der Hochebene entstanden sind. Im Zentrum des Loches ist es tiefschwarz. Da wir sehr daran interessiert sind, wie tief es wohl sein mag, stoßen wir einen großen Felsbrocken hinein und staunen nicht schlecht, als dieser nach über einer Minute und den Boden noch immer nicht erreicht hat. Hier sollte man besser nicht hineinfallen.

 

Der größte Karstschlund der Region ist „Su Sterru“, was übersetzt soviel wie „der Schlund“ bedeutet. Von den Einheimischen als „Eingang zur Hölle“ bezeichnet, soll das Loch eine Tiefe von 295 Metern haben, womit es das tiefste Karstloch Europas ist.

 

Wenige Meter weiter erreichen wir unser angesteuertes Ziel. Golgo, ein steinernes Gesicht mit einer Höhe von etwa 5 Metern, das im Laufe der Zeit durch die Natur entstanden sein soll, steht vor uns. Die Geschichte, dass die Maske allein durch die Natur entstanden sein soll, kann ich jedoch beim besten Willen nicht ganz glauben. Ich persönlich denke eher, dass hier ein paar fleißige Sarden am Werk waren, die den Felsen bearbeitet und etwas nachgeholfen haben, um ihre Heimat mit einer Sehenswürdigkeit ein wenig aufzuwerten, als cooles Fotomotiv taugt Golgo jedoch allemal.

 

Wieder bei den Motorrädern angekommen brauchen wir erstmal eine längere Verschnaufpause und frischen unseren Flüssigkeitshaushalt auf. Die Hitze hat uns schwer zu schaffen gemacht. Das Umherwandern ist bei diesen Bedingungen kein wirkliches Vergnügen.

 

Volle Fahrt voraus düsen wir los, der Fahrtwind bringt angenehme Kühlung. Unser nächstes Ziel ist das Supramonte, das nach dem Gennargentu das zweithöchste Gebirge Sardiniens ist. Seit Tagen haben wir nur sehr vereinzelt andere Motorradfahrer angetroffen, was sich hier schlagartig ändert. Eine Kurve jagt die nächste und Adrenalin- und Kurvenjunkies aus aller Welt kommen uns in Scharen entgegen. Von der Scrambler-Fraktion über Harleys, Nakedbikes, Supersportlern und Supermotos bis hin zu schweren Reiseenduros ist alles dabei. Und allesamt lassen ordentlich die Fetzen fliegen. Die Motorraddichte in diesem Gebiet ist mit Abstand die Höchste der Insel. Wir haben den Motorrad-Hotspot Sardiniens gefunden, was erstens der tollen Strecke und zweitens wohl auch dem heutigen Sonnenschein zu verdanken ist.

 

Stück für Stück und Kurve um Kurve arbeiten wir uns auf der SS125 durchs Gebirge hindurch und halten ab und zu eine kleine Pause ab, um ein paar Fotos zu knipsen und die Weite der Landschaft zu genießen. Eine Fahrt durch dieses einzigartige Kalksteingebirge ist in jedem Fall sehr lohnenswert.

 

Nach knapp 40 Kilometern durchs Gebirge, setzen wir den Blinker rechts und biegen in Richtung der Ortschaft Cala Gonone ab, die wir durch einen Tunnel und über zahlreiche Serpentinen, die hinab zum Meer führen, erreichen.

 

Ein Stück südlich der Ortschaft befindet sich der wunderschöne und mit gleichem Namen benannte Höhlenstrand „Cala Gonone“, der jedoch nur durch einen sehr langen Fußmarsch oder per Boot zu erreichen ist. Für beide Optionen haben wir heute leider zu wenig Zeit im Gepäck, da wir die Fähre am Abend auf keinen Fall verpassen sollten. Ein Ziel, das ich gerne besucht hätte und das ich für einen weiteren Besuch der Insel vermerken werde.

 

Unsere Mittagspause steht an. In einem der vielen Restaurants entlang der Uferpromenade lassen wir uns nieder. Alle Fischgerichte sind bereits restlos ausverkauft, weshalb wir wieder auf die sich hier auf der Insel bewährten Gerichte Pizza und Pasta zurückgreifen und dabei eine der letzten Aussichten über das Meer in Ruhe genießen.

 

Nach der Pause schrauben wir uns wieder die Serpentinen ins Gebirge hoch. Ab jetzt heißt es „Auf zur Fähre nach Olbia“.

 

Auf der Landstraße SS125 fahren wir bis Dorgali, wo wir uns wegen stark zunehmendem Verkehrsaufkommen dazu entschließen, unsere Fahrt auf der Autobahn durchs Landesinnere fortzusetzen, um es pünktlich zur Fähre zu schaffen. Hier kommen wir zügig voran und können während der Fahrt noch ein paar Blicke auf das Monte Albo Gebirge werfen, durch das die Autobahn verläuft.

 

Als wir für eine kurze Tank- und Trinkpause auf einem Rasthof anhalten, entdecken wir noch ein Miniatur-Gecko auf dem Boden, das für mich mit seinen schlitzförmigen braunen Augen Krokodilen zum Verwechseln ähnlich sieht. Wir nehmen es auf die Hand und machen ein paar Fotos mit ihm, bevor wir die verbleibenden Kilometer bis Olbia runterspulen.

 

Dort angekommen versorgen wir uns im Supermarkt noch mit Getränken für den Abend, da diese hier deutlich günstiger als an Bord der Fähre zu bekommen sind.

 

Im Hafen angekommen geht es, wie schon auf der Herfahrt, durch eine strenge Ausweis- und Ticketkontrolle, bevor wir unsere Motorräder im Rumpf der Fähre verzurren dürfen. Wir sind gut in der Zeit.

 

Die tollen Tage auf der Insel mit vielen atemberaubenden Momenten und einer geballten Ladung Action sind leider vorüber. Viel Spaß haben wir gehabt und jede Menge erlebt.

 

Mach’s gut du Perle des Mittelmeers, auf ein Wiedersehen!

 

Pünktlich um 21:30 Uhr legt die Fähre im Hafen von Olbia ab. Wie bereits auf der Herfahrt übernachten wir wieder an Deck.

 

Gegen 8 Uhr des nächsten Tages erreichen wir Genua, wo wir eine viertel Stunde später von Bord gelassen werden und uns an den Massen der ausfahrenden Autos vorbeischlängeln.

 

Gemeinsam fahren wir auf der Autobahn bis Bellinzona, wo wir unseren Kumpel Stefan verabschieden, der über Chur in Richtung Bayern weiterfahren muss.

 

Marco, Viktor und ich nehmen noch die Passstraße des St. Gotthard unter die Räder, bevor wir die Heimreise von Göschenen über Luzern und Basel bis Rastatt auf der Autobahn runterspulen. Dort angekommen verspeisen wir noch gemeinsam einen Döner, bevor sich unsere Wege trennen. Viktor du hast dich klasse geschlagen auf deiner ersten Tour. Macht’s gut Jungs, es war eine tolle Zeit!

 

Als ich mein Zuhause erreiche stehen 3015 Kilometer mehr auf dem Tacho und ich ziehe Bilanz.

 

Die Insel Sardinien hat es definitiv verdient, in der Liste der der Top-Motorrad-Reiseziele ganz weit oben aufgeführt zu werden. Der Mix aus Küstenstraßen, Gebirgen, karibischen Stränden, gastfreundlichen Einheimischen und Sehenswertem ist einfach gigantisch und hat mich total überzeugt.

 

Der zu Beginn der Reise angestrebte Vergleich zwischen den Inseln Korsika und Sardinien stellt mich vor eine schwierige Entscheidung. Bereisen würde ich definitiv beide gerne noch einmal, da es immer etwas Neues zu entdecken gibt und Strecken und Plätze an denen man noch nicht war. Müsste ich jedoch wählen, wo es mir besser gefallen hat, so würde ich Korsika ein paar Prozentpunkte mehr zuordnen. Was zum einen daran liegt, dass fast die gesamte Insel ein reines Gebirge ist und zum anderen weil wir dort mehr Süßwasserbadestellen vorgefunden haben, die mich persönlich mehr begeistern und besser fürs Campen taugen, als das salzige Meer. Was zusätzlich wohl in meine Entscheidung mit einfließt, was jedoch ziemlich subjektiv ist, ist die Tatsache, dass ich auf Korsika meinen Kumpel Stefan kennengelernt habe, mit dem ich danach schon viele Touren gefahren bin. Für mich geht Korsika somit ein kleines Stück in Führung.

 

Die Entscheidung, welche Insel dir persönlich besser gefällt, solltest du man am besten dadurch treffen, indem du beide der Inseln nacheinander bereist und dir ein eigenes Bild über die Vor- und Nachteile verschaffst. Beide Inseln sind einfach wunderbar!

 

Zum Abschluss noch ein paar Worte zur Flagge Sardiniens, die der Flagge Korsikas recht ähnlich ist.

 

Die Bedeutung der sardischen Flagge hat ihre Wurzeln in der Vergangenheit und ist voller Legenden, die durch historische Ereignisse bestätigt werden. Die Herkunft der vier Mauren, das Symbol von Sardinien, bleibt eingehüllt in ein faszinierendes Geheimnis.

 

Die ursprüngliche Bedeutung der sardischen Flagge, wurde anfangs durch die Krone von Aragon gebunden, die über Sardinien von 1324 bis 1479 herrschte (das letzte Jahr der spanischen Krone). Die historische Tradition besagt, dass die vier Köpfe der Flagge, die vielen Siege der katalanisch-aragonesischen Streitmacht gegen die eindringenden Mauren in Spanien repräsentiert: Saragozza, Valencia, Murcia und die Balearen.

 

Die Legende stattdessen gibt der sardischen Flagge eine andere Bedeutung: Das Banner zeigt den Sieg von König Peter I. von Aragon im Jahre 1096. Er verteidigte die Stadt Alcoraz vor den Mauren. Die Legende besagt, dass die Aragonesische Armee den Sieg nur mit Hilfe von San Giorgio erlangte, der auf dem Schlachtfeld erschien und vier wichtige und mutige Prinzen köpfte.

 

Auch wenn die Flagge, aragonesischer Herkunft ist, hat die Flagge für die Sarden eine viel ältere Bedeutung, noch vor der Aragonesischen Herrschaft. In der Tat stellt die Flagge die vier Giudicati dar, vier kleine, unabhängige Staaten, die zwischen dem neunten und fünfzehnten Jahrhundert ihre Insel Sardinien in völlig autonomer und energischer Weise, vor der ständigen Invasion der Mauren verteidigten.

 

Die Bedeutung der sardischen Flagge ist tief, symbolisch, und streng mit den historischen Ereignissen der Insel verbunden. Eine Reise nach Sardinien ist wie eine Entdeckungsreise in diese faszinierende Vergangenheit.

Route:

Gernsbach - Rastatt - Basel - Luzern - St. Gotthard Tunnel (17km lang) - Bellinzona - Como - Mailand - Genua - FÄHRE - Olbia - SP73 - Costa Smeralda - Capo Ferro - Porto Cervo - Capo Ferro - Cannigione - Capo d' Orso (Bärenfelsen) - Palau - Santa Teresa Gallura - Capo Testa (Sicht nach Bonifacio, Korsika) - Costa Paradiso - Roccia dell' Elefante (Elefantenfelsen) - Castelsardo - Punta Spinosa - Sedini - Bulzi - Perfugas - Laerru - 40.83178, 8.83375 - Martis - Nulvi - Osilo - Sassari - Porto Torres - Pozzo San Nicola - Stintino - Spiaggia della Pelosa - Capo del Falcone - Stintino - Pozzo San Nicola - Lampianu - Biancareddu - Palmadula - Grotta di Nettuno (Tropfsteinhöhle) - Capo Caccia - Fertilia - Alghero Campingplatz 'Camping Village Laguna Blu' (Check-In) - Alghero (Stadtbesichtigung) - Alghero Campingplatz 'Camping Village Laguna Blu' 40.595031, 8.290159 - Alghero (Stadt-Durchfahrt) - SP105 und SP49 (47km Top-Küstenstraße) - Bosa - Magomadas - Tinnura (Wandmalereien) - Tresnuraghes - Sennariolo - SS292 - S'Archittu - Torre del Pozzo - Stagno di Sale 'e Porcus (Salzsee) - Putzu Idu - Riola Sardo - SS292 - SS131 - Paulilatino - SP11 - Haus im Stausee bei Ula Tirso - 40.05412, 8.87285 - Fordongianus - SS388 - Simaxis - Santa Giusta - Stagno di Santa Giusta (Flamingos) - Arborea - Marceddi - Porto Palma - Marina di Arbus - Costa Verde - Offroadstraße zur Sahara Sardiniens, der 'Dune di Piscinas' (mit Furt über 'Rio Rosso di Piscinas'-Fluss und etwas tieferer Furt bei den GPS-Koordinaten 39.534117, 8.465460), danach offroad weiter bis Ingurtosu (alte Mienenstadt) - SS126 - Arbus - SS126 - SP83 - Portixeddu - Buggeru - Cala Domestica - Masua - 39.33402, 8.42182 - Porto Banda (rosa Kiesstrand) - Nebida - Gonnesa - SS126 - San Giovanni - Porto Ponte Romano - Salzstraße durch Salzwerk bis Is Pistis - SS195 - Giba - Sant' Anna Aresi - SP73 - Is Pillonis - Porto Pino - Spiaggia di Porto Pino - SP73 - SS195 - SP71 (Küstenstraße) - Costa del Sud - Spiaggia di Tuerredda - SP71 - Spiaggia Su Giudeu - SP71 - SS195 - Santa Margherita - Pula - Cagliari - SS131 - SS197 - Villamar - 39.66522, 8.97027 - SS197 - Las Plassas - Barumini - Nuraghe di Barumini (Su Nuraxi) - SS197 - Nuragus - SS128 - Isili - SS198 - Sadali (kurz vor Seui) - SP8 - Seulo - Gadoni - SP8 - SS295 - Aritzo - Belvi - SS295 - SP7 - Desulo - SP7 - Fonni - SS389 (in Richtung Lanusai) - SS198 - Gairo Sant' Elena - Gairo-Vecchio - Osini-Vecchio (Geisterstadt) - Ulassai - Cascata di Lequarci (riesiger Wasserfall: 09/2018 komplett trocken gewesen, trotz starkem Regen davor!) - Ulassai - Jerzu - Cardedu - Bari Sardo - SS125 - Tortoli - Arbatax - Rocce Rosse, Arbatax (Red Rocks) - Arbatax Campingplatz 'Camping Villaggio Telis' (mit Pool und Strand am Meer) 39.92476, 9.70845 - SS125 - Lotzorai - Baunei - Su Sterru "Golgo" (Wanderung zu 295m tiefem Riesenloch in der Erde und zu riesigem "Golgo"-Steingesicht) - Baunei - SS125 - Punta Scala Manna - SS125 - Cala Gonone - SS125 - Dorgali - SS115 - SP38 zur Autobahn SS131D.C.N. - auf der Autobahn vorbei am Monte Albo Gebirge - Olbia - FÄHRE - Genua - Mailand - Como - Bellinzona - St. Gotthard Pass - Göschenen - Luzern - Basel - Rastatt - Gernsbach

 

Reisedauer: 9 Tage

 

Gefahrene Strecke: 3015 Kilometer

 

Anzahl Pässe: Das ganze Gennargentu-Gebirge im Westen ist eine einzige Achterbahnfahrt. Es geht links, rechts, rauf, runter, links, rechts - ein Traum für Kurvenjäger! ;-) (unzählige auf Sardinien und ein Pass in der Schweiz)

 

Wildcampen: Das Wildcampen, egal ob mit Zelt oder Wohnmobil, ist auf Sardinien offiziell verboten. In der Nebensaison wird es jedoch in der Regel geduldet. Die Duldung basiert allerdings lediglich auf dem momentanen Wohlwollen der Ordnungshüter, deren Freundlichkeit und Geduld aber sehr von der allgemeinen "Waldbrandgefahr" abhängt. In der Hauptsaison wird, wegen verstärkter Waldbrandgefahr auch verstärkt nach Wildcampern Ausschau gehalten. Hier sollte man besser auf einen nahegelegenen Campingplatz ausweichen. Bevor man im Landesinneren sein Zelt aufschlägt, sollte man die Erlaubnis des Grundstückbesitzers einholen. Also einfach mit den Hirten oder Bauern darüber reden, bevor man sich niederlässt. Zudem ist, wenn es nicht regnet, ab dem Frühjahr, bis spät in den Herbst, das Schlafen unter freiem Himmel möglich, was einem den Zeltaufbau erspart.

 

 

Biwakieren: Das Übernachten draußen, ohne Zelt, wird vermutlich ähnlich wie "Wildcampen" geahndet.

 

Klima / beste Reisezeit: Die beste Reisezeit für die Insel Sardinien sind die Monate Mai bis Oktober. Die Tagestemperaturen in diesem Zeitraum liegen bei angenehmen 18 bis heißen 40 Grad und im Durchschnitt gibt es monatlich nur etwa 1,5 Regentage. Wer kann, meidet die Hauptferienzeit von Juli bis August, wo sehr viele Touristen auf der Insel unterwegs sind und nutzt den Früh- oder Spätsommer für seine Reise, wo man ungestört das "echte" Sardinien entdecken kann und die Preise deutlich günstiger sind. Das Baden an den unzähligen Traumstränden ist bereits am Mai möglich.

 

 

 

allgemeine Landesinformationen:

 

Fläche: 24.089,89 km2

 

Einwohner: 1.653.135

 

Währung: Euro

 

Verkehr: Rechtsverkehr

 

 

Tempolimits:

 

50 km/h innerorts

 

90 km/h außerorts

 

110-130 km/h auf Autobahnen

 

 

Web-Infos: www.sardegnaturismo.it/de

 

Web-Fähren-Infos: www.ferrylines.com / www.corsica-ferries.de / www.mobylines.de


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