ITALIEN, AOSTATAL


(Hier geht es zu den Fotos der Reise.)

 

Schnee in den Alpen, schöne Seitentäler im Aostatal

 

Ursprünglich hatten mein Freund Stefan und ich geplant, die 'Route des Grandes Alpes' von Thonon-les-Bains am Genfer See, bis Menton an der Côte d’Azur, zu fahren. Die berühmte Strecke führt über 18 französische Alpenpässe und endet am Meer. Das Wetter hat sich in den vergangenen zwei Wochen allerdings so stark verschlechtert, dass mittlerweile Minusgrade auf den hohen Alpenpässen Frankreichs herrschen. Auf dem Col du Galibier hat es bereits -6 Grad. Damit unsere Reise nicht wegen Eis und Schnee in 'Standgasfahrerei' endet, haben wir kurzfristig einen 'Plan B' ausgearbeitet, der uns ins Aostatal, nach Italien, führen wird. Die gesamten Straßen des Tals liegen etwas tiefer als die Alpenpässe und sollen noch schneefrei sein.

 

Es ist der Nachmittag des 14. September 2017. Gemeinsam mit meinem Freund Stefan, der am Morgen zu mir angereist ist, breche ich auf. Wir starten um 15:20 Uhr. Von Gernsbach aus fahren wir bis Rastatt und dann auf der Autobahn in Richtung Süden. Es regnet in Strömen. Die Temperatur liegt zwischen 15 und 17 Grad. Unsere Route führt auf der Autobahn durch die Schweiz. Über Basel, Bern und Fribourg fahren wir in Richtung Genfer See. Ab Bern lässt der Regen zum Glück nach. Die Temperatur sinkt jedoch auf 13 Grad, die Schmerzgrenze für angenehmes Motorradfahren.

 

Um 20 Uhr, bei Einbruch der Nacht erreichen wir die schweizerische Seite des Genfer Sees. Hier bietet sich uns ein toller Anblick von der Autobahn über den in der Nacht verschwindenden See, der durch viele Lichter eingerahmt ist. Kurze Zeit darauf wird es stockdunkel. Wir brauchen einen Platz für die Nacht. In der Schweiz wollen wir das Wildcampen nicht unnötig riskieren, deshalb fahren wir an das Südufer des Sees, auf die französische Seite. Direkt am Wasser ist es schwer einen guten Platz zu finden. In den vielen kleinen Städtchen ist noch ordentlich was los. Wir beschließen von Évian-les-Bains aus in die Berge zu fahren. Im Valleé de Abondance sollte ein guter Platz für uns zu finden sein.

 

Doch weit gefehlt, auf dem Weg dorthin reiht sich zuerst einmal ein Dorf an das nächste. Von unbebauter Landstraße mit kleinen Waldwegen, ist weit und breit keine Spur. Wir fahren weiter. Die etlichen Ortschaften nehmen einfach kein Ende. Ein Glück, dass es nicht regnet.

 

Im Örtchen Vinzier finden wir einen Schotterweg der zu von Bäumen umschlossenen Wiesen führt. Außer einem Weidezaun und einem Carport, unter dem ein Amischlitten geparkt steht, ist nichts zu sehen. Der Staub auf dem Auto verrät mir, dass dieses seit mehreren Tagen nicht bewegt wurde. Relativ nah an der Zivilisation, aber durch Bäume gut geschützt, beschließen wir nach langer vergebener Suche, hier unser Nachtlager zu errichten. Wir bauen unsere Zelte an der Gabelung des Schotterwegs auf, machen ein Lagerfeuer, trinken schottischen Whiskey und führen eine angeregte Unterhaltung bis tief in die Nacht. Gegen 4 Uhr kriechen wir erschöpft in unsere dicken Schlafsäcke. Das Thermometer zeigt mittlerweile 3 Grad.

 

Am nächsten Morgen werden wir um 9 Uhr durch ein am Zelt vorbeifahrendes Auto geweckt. Meine Alarmglocken läuten und der Puls schießt in die Höhe! Es sind jedoch lediglich die Besitzer des kleinen Bauernhofs, der sich am Ende der Schotterstraße, hinter dem Weidezaun befindet. Bei völliger Dunkelheit, war dieser gestern Nacht nicht zu sehen gewesen. Nun ist auch klar, wem der amerikanische Oldtimer gehört. Wir grüßen freundlich aus den Zelten, unser Gruß wird jedoch nicht erwidert. Außerdem läuft nun der Hund des Hofs bellend um unsere Zelte. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Wir beginnen unsere Sachen zu packen.

 

Kurz darauf dann eine Situation, mit der wir so nicht gerechnet haben. Die 'Gendarmerie', wie die Polizei in Frankreich genannt wird, kommt mit ihrem Auto, über den Schotterweg, zu unserem Lager gefahren. Die Beamten wurden höchstwahrscheinlich von den Besitzern des Hofes verständigt. Was für ein Mist!!!

 

Beim Eintreffen der Beamten befinden wir uns bereits am Abbau der Zelte. Das Umfeld ist sauber und frei von Müll. Die Feuerstelle ist jedoch deutlich zu erkennen.

 

Das Gespräch mit dem jungen Polizist läuft entspannt und freundlich auf "Englisch" ab, was in Frankreich nicht selbstverständlich ist, da oft auf Landessprache bestanden wird. Wir erklären dem Beamten, dass wir am Tag zuvor aus Deutschland angereist sind und mitten in der Nacht, keinen Campingplatz mehr gefunden haben. Deshalb haben wir uns "in der Not" hier niedergelassen. Eine kleine Not-Lüge! :) Der Polizist nimmt alles sehr gelassen und sagt: "It's all okay. You just need to leave this place." Er bittet uns zum Abbau der Zelte und zum Verlassen des Platzes. Seine Kollegin hingegen ist nicht so locker und freundlich wie er. Sie nimmt direkt unsere Personalien auf und lässt uns von ihrem Kollegen mitteilen, dass Wildzelten und Feuer machen in ganz Frankreich verboten ist. Auf die Frage, wohin wir weiter fahren werden, antworten wir mit "Italien", was beide sichtlich beruhigt. Nach der "freundlichen Verwarnung" verlassen sie uns. Wir bauen in Ruhe unsere Zelte ab, verpacken alles auf den Motorrädern und fahren los. Eine Geldstrafe gab es zum Glück nicht, was vermutlich sehr stark von der Lockerheit des jungen Polizisten und dem von uns freundlich geführten Dialog abhing!

 

Von Vinzier aus fahren wir weiter bis Abondance und durch das Valleé de Abondance. Durch schöne Bergdörfer führt die Straße steil bergauf. Wir entdecken einen Picknick-Platz am Straßenrand und stoppen. Hier legen wir unser Frühstück in Form von erwärmter Tomatensuppe ein. Der Whiskey von gestern hängt noch in unseren trägen Körpern, nach dem Frühstück tritt jedoch Besserung ein.

 

Weiter geht es über Châtel und Monthey bis Martigny. Eigentlich wollten wir auf schnellstem Weg ins Aostatal nach Italien. Da der Mont-Blanc sich jedoch nun in unmittelbarer Nähe befindet und mich hohe Berge sehr faszinieren, beschließen wir einen kleinen Abstecher dorthin zu machen.

 

Von Martigny aus geht es über den "Col de la Forclaz" Pass bis Chamonix-Mont-Blanc. Die tolle Aussicht auf den höchsten Berg Frankreichs, bleibt jedoch aus. In der gesamten Umgebung befinden sich zig Berge mit schneebedecktem Gipfel. Jeder, den wir fragen, zeigt auf einen anderen Berg und sagt: "Das ist er!". Selbst ein Fotovergleich auf Google bleibt ohne Erfolg. Wir geben die Suche vorerst auf. Durch den Mont-Blanc-Tunnel soll es auf schnellstem Weg nach Italien gehen.

 

Eine kurvige Straße führt hinauf zum Tunnel. Vor der Mautstelle haben sich endlose Schlangen gebildet, da die Warteintervalle zwischen den Fahrzeugen sehr lange geschaltet sind. Wir schlängeln uns vorbei. Angekommen an der Mautstelle glaube ich nicht richtig zu hören, für die Fahrt durch den Tunnel wird eine Gebühr von 28,80 pro Motorrad erhoben. Ein unverschämter und völlig überzogener Preis! Wir spielen kurz mit dem Gedanken umzudrehen, entscheiden uns dann aber doch für den zeitsparenden Weg durch den Tunnel. Die Fahrt hindurch ist stinklangweilig. Danach bietet sich zwar endlich die Aussicht auf den Mont-Blanc, die aber auch nicht so überragend ist, wie ich mir das vorgestellt habe. Diesen Tunnel werde ich ab sofort meiden und kann jedem Motorradfahrer empfehlen, es mir gleich zu tun.

 

In Italien angekommen geht es über die Landstraße SS26 direkt ins schöne Aostatal. Um 16 Uhr, nach knapp 24 Stunden seit Beginn der Reise, erreichen wir unser Ziel für die nächsten zwei Tage. Wir decken uns mit ein paar Grillwürstchen und Bier ein und tanken unsere Maschinen voll. Dann geht es weiter bis Arvier.

 

Von Arvier aus, machen wir uns direkt auf Erkundungsfahrt in eines der unzähligen Seitentäler. Wir folgen der SR25 steil bergauf in das Val Grisenche Tal. Es geht an tollen Wasserfällen vorbei und durch schöne Bergdörfer mit traditionellen Steindächern auf den Häusern. Ganz oben, nach dem Ort Valgrisenche, erwartet uns ein langgezogener Stausee mit grünlichem Wasser, der "Lago di Beauregard". Er gibt ein tolles Fotomotiv ab. In Surier endet das Tal. Von hier aus kann man tolle Wanderungen ins Gebirge unternehmen. Außer ein paar Wanderern ist uns noch ein einsamer Esel begegnet, der hier am Ende des Tals auf Futtersuche ist.

 

Es ist spät geworden. Auf der Suche nach einem Platz für die Nacht fahren wir die SR25 wieder abwärts. Viele verlassene Häuser aus Stein stehen am Straßenrand. Die meisten von ihnen sind als einsturzgefährdet gekennzeichnet. In der Not könnte man jedoch auch in einem der Häuser, einen trockenen Schlafplatz für die Nacht finden. Manche von ihnen sind noch relativ gut in Schuss. Vorbei an einem riesigen Wasserfall geht es weiter bergab. Nach ein wenig Suche, werden wir schließlich an einem Elektrizitätskraftwerk fündig. Das Häuschen steht völlig einsam in den Bergen auf einem tollen Platz. Die Straße SR25 führt zwar relativ nahe vorbei, doch es gibt hohe Felsbrocken, die optimal als Sichtschutz dienen. Hier werden wir heute Nacht bleiben. Unsere einzige Befürchtung ist, dass vielleicht morgen, am Samstag, ein Mitarbeiter das Kraftwerk besuchen könnte. Aber sei es drum. Der Platz ist zu schön, um ihn wieder zu verlassen.

 

Wir bauen unsere Zelte auf und machen um 20 Uhr, bei Einbruch der Dunkelheit, ein ordentliches Lagerfeuer. Von der Straße aus ist nichts davon zu sehen, die hohen Felsen schirmen unseren Lagerplatz toll ab. Als wir gerade die ersten Würstchen übers Feuer halten, frage ich mich, wo mein Rucksack mit Bier darin, abgeblieben ist. Was für ein Mist? Ich muss ihn oben, beim Foto am Stausee machen, vergessen haben. Ich steige erneut auf mein Motorrad und fahre die knapp 10 Kilometer bergauf, bis zur Straße über dem "Lago di Beauregard". Vom Rucksack fehlt jede Spur. Ein durstiger Italiener wird ihn wohl gefunden und mitgenommen haben. Zum Glück befand sich außer dem Bier nichts Wichtiges im Rucksack. Etwas enttäuscht fahre ich zurück zu unserem Lagerplatz. Zuerst heute Morgen der Besuch der Polizei, dann die völlig ungerechtfertigten 28,80€ für den langweiligen Mont-Blanc-Tunnel bezahlt und nun auch noch den Rucksack mit Bier verloren. Es kann nur noch besser werden!

 

Mit dem übrig gebliebenen Bier, das mein Freund Stefan in seinem Gepäck hatte und den letzten Tropfen unseres schottischen Whiskeys, sitzen wir vergnügt am Lagerfeuer bis tief in die Nacht. Als wir ins Bett gehen, ist die Temperatur bis auf 0 Grad abgefallen.

 

In der Nacht ist es trocken geblieben. Bei 3 Grad am Morgen fällt es jedoch schwer aus dem Schlafsack zu kriechen. Nach einem Kaffee sind unsere Körper wieder "hochgefahren". Wir bauen unsere Zelte ab und folgen der Straße bergab bis Arvier. Diesen Morgen hatten wir freudiger Weise keine ungebetenen Gäste.

 

Zurück in Arvier, fahren wir bis kurz nach Introd. Von hier aus geht es in zwei Seitentäler. Wir nehmen die SR24 bergauf ins Val di Rhêmes. Die Sonne scheint, es ist ein schöner Tag.

 

Die Fahrt in Richtung Thumel führt durch idyllische Landschaft. Am Straßenrand grasen Ziegen und Schafe. Teilweise verläuft die Straße entlang eines bläulichen Gletscherbachs. Weiter oben kann man deutlich die Baumgrenze erkennen. Die Landschaft wird kahler. Am Ende des Tals stehen mit Schnee gekrönte Berge im Hintergrund, davor weiden Kühe. Ein wunderschöner Fleck Italiens! Ich verstehe sofort, warum sich manche Menschen in diese Seitentäler zurückziehen und hier leben. Wir machen eine Pause und genießen die Ruhe und die gute Luft hier oben.

 

Über die SR24 geht es zurück bis kurz vor Introd. Nun folgt das zweite hier beginnende Seitental. Auf der SR23 geht es vorbei an Buillet hinauf ins Val Savarenche. Die Straße verläuft bis zum Ende des Tals entlang des Flusses "Torrente Savara". Das Tal liegt im Nationalpark Gran Paradiso in direkter Nachbarschaft zum Val di Rhêmes. Endpunkt des Tals ist der Ort Pont, der aus wenigen alten Häusern besteht. Hier gibt es einen großen Parkplatz, auf dem sich viele Wanderer und Kletterer tummeln. Von hier aus kann man über eine Schotterpiste bis zum Colle del Nivolet gelangen oder den Aufstieg auf den Gran Paradiso wagen, der mit 4061 Metern der höchste Berg im Nationalpark ist.

 

Der Nationalpark Gran Paradiso umfasst 585 km², ein Fünftel davon liegt im Aostatal, der Rest liegt im Piemont. Fast der gesamte Park liegt oberhalb von 1500 Höhenmetern.

 

Nach einer kleinen Fahrt über eine der Schotterpisten bei Pont, ist es an der Zeit, das Tal wieder zu verlassen. Wir haben heute noch einiges vor uns. Auf der SR23 geht es zurück bis Arvier.

 

Von Arvier aus geht es auf der Landstraße bis Saint-Pierre. Über Aymavilles und Poyaz geht es auf der SR47 ins Val di Cogne.

 

Durch schöne Landschaft, führt die Straße entlang des Flusses "Torrente Grand' Eyvia" bergauf durch den Nationalpark Gran Paradiso bis in den Ort Cogne. Cogne ist mit circa 11.000 Einwohnern ein recht großer Ort für diese abgeschiedene Lage. Er liegt eingebettet in ein spektakuläres Bergpanorama.

 

Um eine bessere Sicht über das Tal zu erhalten, fahren wir hinauf ins Bergdorf Gimillan. Von hier oben bietet sich uns eine spitzenmäßige Aussicht über Cogne und die umliegenden Berge. Wir verweilen ein wenig. Die Anwohner sind sehr freundlich und freuen sich über unseren Besuch. Sie zeigen großes Interesse an unseren Motorrädern.

 

Nach der unterhaltsamen Pause machen wir uns auf der SR47 wieder auf den Rückweg bis Aymavilles. Jetzt heißt es auf nach Aosta!

 

Aosta ist die Hauptstadt der Region Aostatal und befindet sich 583 Metern über dem Meeresspiegel. Das Tal liegt am Fuße der italienischen Alpen und erstreckt sich auf 21 Quadratkilometern. Die Stadt hat etwas mehr als 34.000 Einwohner.

 

In einem der Supermärkte in Aosta, decken wir uns mit neuen Getränken ein. Auf der SS26 fahren wir weiter durchs stark frequentierte Aostatal, welches hier unten im Tal recht unattraktiv ist.

 

Nach quälenden 20 Kilometern auf der stark befahrenen Landstraße, erreichen wir kurz nach Nus, den Ort Champagne.

 

Auf der SR42 geht es bergauf. Die Straße führt durch Grossaix, Frayè, Verrayes, Plau und Cheresoulaz bis hoch zum Pass "Colle San Pantaleone". Über ihn gelangen wir auf einer schmalen Straße bis Torgnon. Vom kleinen Bergdorf aus fahren wir bergab bis Antey-Saint-Andrè.

 

Wir folgen der SR46 ins Valtournenche Tal. Unser Ziel, die Aussicht auf das Matterhorn. Die erste Hälfte des Tals gestaltet sich recht unspektakulär und kann mit den bisher bereisten Tälern nicht mithalten. Ab dann folgen jedoch ein paar Serpentinen und es wird wieder interessant. Am Ende des Tals erreichen wir den Ort Breuil-Cervinia, der sich auf über 2000 Meter befindet. Die Sicht auf die umliegenden 4000-Meter-Berge ist schlecht, das gesamte Bergpanorama wird von dicken weißen Wolken verschleiert. Vom Matterhorn ist ebenfalls nichts zu sehen. Hier oben stehen viele Luxushotels, in denen man einen exklusiven Winterurlaub verbringen kann. Viele Sessellifte führen auf die umliegenden Berge. Ohne Schnee sieht der beliebte Wintersportort Cervinia jedoch recht hässlich aus. Tolle Fotos, Fehlanzeige! Nach einer kurzen Pause fahren wir wieder bergab, Schneeregen setzt ein. Auf schnellstem Weg fahren wir bergab bis Châtillon.

 

Es ist spät. In 40 Minuten wird es dunkel. Mit Vollgas brettern wir die Landstraße SS26 zurück bis Aosta. Hier im Tal ist es deutlich wärmer als in Breuil-Cervinia. Wir tanken unsere Maschinen auf und decken uns mit italienischer Salami und Baguette für das Abendessen ein. Im Valpelline Tal wollen wir Ausschau nach einem Platz für die Nacht halten, was im Dunkeln deutlich schwieriger ist.

 

Über Porossan und Roisan fahren wir ins Valpelline Tal. Es ist stockfinster. Kurz nach dem Örtchen Lavod verläuft die Straße über einen Bach. Linkerhand entdecke ich einen vielversprechenden geteerten Abzweig. Nach wenigen Metern hört der Asphalt auf und geht in Schotter über. Wir folgen dem Schotterweg der durch eine tiefe Senke führt und dann steil bergauf führt. Das maximale Limit für unsere schweren Bandits auf Schotter. Doch es hat sich gelohnt. Der Weg geht wieder in Asphalt über. Auf der alten Straße wächst jedoch schon Gras, sie scheint außer Betrieb zu sein. Rechts der Straße liegen tolle Wiesen, die durch Bäume von der Hauptstraße abgeschirmt werden. Wir haben unseren Platz für die Nacht gefunden.

 

Im Schutz der Bäume errichten wir unsere Zelte und machen ein Lagerfeuer. Unsere Motorräder parken wir direkt neben den Zelten auf der Wiese, damit diese von der Straße aus nicht zu sehen sind. Wir verspeisen unsere italienische Mahlzeit und begießen unseren letzten Abend mit reichlich Bier. Als wir gegen 1 Uhr ins Bett kriechen, zeigt das Thermometer nur noch 3 Grad. Am Lagerfeuer haben wir von dieser Kälte nichts verspürt.

 

Der nächste Tag bricht an. Es ist Sonntag. Ungestört und in aller Ruhe bauen wir unsere Zelte ab. Wir folgen dem Verlauf der verwilderten Straße, die uns bis zur Hauptstraße führt, die durch das Valpelline Tal verläuft. Ihr folgen wir in Richtung Ende des Tals.

 

Die Straße führt durch schöne Bergdörfer steil bergauf. Ab Bionaz wird sie sehr schmal und verläuft durch dichten Nadelwald. Das Tal liegt mittlerweile tief unter uns. Am Ende der Straße befindet sich der "Lago di Place-Moulin", ein gigantischer Stausee mit riesiger Staumauer. Was für ein Bauwerk!

 

Auf dem Parkplatz tummeln sich bereits einige italienische Wandergruppen, die auf ihre Sonntagswanderung aufbrechen. Während das gesamte Valpelline Tal noch überwiegend im Schatten liegt, scheint hier oben bereits die Sonne und es hat angenehme 8 Grad. Wir verweilen hier ein wenig, bestaunen die riesige Staudamm-Anlage und genießen die herrliche Aussicht über den hellblauen See, auf die mit Schnee bedeckten Berge. Ein toller Ort!

 

Wir fahren das Valpelline Tal wieder abwärts. Nach dem Ort Valpelline verlassen wir es. Über Doues und Allein fahren wir nach Etroubles. Von hier aus folgen wir der SS27 zu unserem letzten Highlight dieser Reise. Kurz nach Saint-Oyen biegt die Straße auf den "Grossen St. Bernhard"-Pass ab.

 

Die kurvige Straße mit vielen Serpentinen, führt auf tollem Asphalt durch eine sagenhafte Landschaft. Vorbei an mächtigen Felsformationen, geht es im Kurvenrausch bis hoch, zu der auf 2473 Meter gelegenen Passhöhe. Hier befindet sich ein toller Bergsee, an dem wir einen kurzen Fotostopp einlegen.

 

Diese Straße macht ordentlich Laune und bietet exzellentes "Go-Pro-Video-Material"! Ich kann jedem Motorradfahrer nur wärmstens empfehlen, diese einmal im Leben zu befahren.

 

Direkt nach der Passhöhe passieren wir die offene Grenze zur Schweiz. Das Wetter kippt und es fängt an zu regnen. Kurz nach der Passhöhe kommt eine Tankstelle. Hier tanken wir unsere Maschinen auf und legen unsere Regenkombis an. Die Abfahrt in die Schweiz ist nicht weniger spektakulär als die Auffahrt auf der italienischen Seite. Vorbei am "Lac des Toules"-See geht es durch mehrere Tunnels hinab bis Martigny.

 

Von hier aus treten wir die Heimreise auf der Autobahn an. Über Montreux, vorbei am Genfer See und Fribourg fahren wir nach Bern. Es regnet in Strömen.

 

50 Kilometer hinter Bern trennen sich unsere Wege. Mein Kumpel Stefan muss in Richtung Augsburg, mein Weg führt in Richtung Basel. Bei voller Fahrt und im strömenden Regen verabschieden wir uns fröhlich und jubelnd auf der Autobahn voneinander. Es waren ein paar schöne Tage im Aostatal. Während fast ganz Europa verregnet war, haben wir hier drei tolle Tage bei Sonnenschein, auf dem Motorrad verbracht. Die kurzfristige Umplanung des Reiseziels hat sich wirklich gelohnt. Das Wetter hätte nicht besser sein können. "Brothers in Arms" und "Gute Fahrt" mein Freund!

 

Ich nehme die Autobahn nach Basel. Das Thermometer zeigt konstant 14 Grad und der Regen ist mein treuer Begleiter. Ich bin froh, als ich die Grenze zu Deutschland erreiche.

 

Von hier aus sind es noch 180 Kilometer bis nach Hause. Das Wetter ist leider auch hier nicht besser, als in der Schweiz. Kurz nach Offenburg lässt der Regen endlich nach.

 

Gegen 17 Uhr erreiche ich völlig durchgefroren die Heimat. Es ist geschafft!

 

Das Aostatal bietet eine tolle Landschaft. Es gibt jede Menge schöner Orte zu entdecken und viele kurvige Straßen warten darauf, unter die Räder genommen zu werden. Die Anreise von Deutschland aus ist nicht besonders weit, daher eignet es sich sehr gut für eine einwöchige Reise oder eine Wochenend-Tour. Für "Biker" und "Wanderer" die alpine Landschaft mögen, ist es ein echtes Traumziel.

 

Am besten gefallen haben mir das Val Grisenche mit "Lago di Beauregard", das Val di Rhêmes, das Val Savarenche und das Valpelline Tal mit "Lago di Place-Moulin"-Stausee.

 

Überhaupt nicht begeistert war ich vom Valtournenche Tal, das in Breuil-Cervinia endet. Einem hässlichen Wintersportort, in dem sich ein Hotel an das andere reiht. Vermutlich lag es aber auch daran, dass wir ziemlich schlechte Sicht dort oben hatten. Das gesamte Bergpanorama, inklusive Matterhorn, war in dicke Wolken gehüllt.

 

Noch drei kleine Tipps:

 

Wenn man sich bereits im Val di Cogne, in der Nähe des Ortes Cogne befindet, sollte man unbedingt noch bis ans Ende, zum Örtchen Lillaz fahren und den "Cascate di Lillaz" besuchen. Ein toller Wasserfall, der in ein zerklüftetes Flussbett fällt. Von Lillaz aus sind es 400 Meter bis zum Wasserfall.

 

Wer sich im Wintersportort Breuil-Cervinia befindet, sollte eine kleine Wanderung zum "Lago Blu" unternehmen. Der "Lago Blu" ist ein klarer Bergsee mit bläulich schimmerndem Wasser. Er liegt auf über 2000 Meter, in Mitten schöner Natur und ist ein tolles Ausflugsziel. Vom Zentrum aus sind es 1,8 Kilometer bis zum See.

 

Wer etwas mehr Zeit hat, sollte außerdem unbedingt den "Colle del Nivolet" besuchen, der sich im Süden des Aostatals befindet. Die Straße zum "Colle del Nivolet" ist ein Stich, der in die nordwestlichste Ecke des Piemont führt und nur vom "Valle di Locana" aus anfahrbar ist. Die Straße führt auf über 2600 Meter hoch und bietet jede Menge tolle Kurven, ein gewaltiges Bergpanorama und viele schöne Bergseen wie den "Lago Serrù" und den "Lago Agnel". Außerdem gehört der Pass zu den "Top Ten" der höchsten befestigten Alpenpässe.

 

Da unsere Planung leider sehr kurzfristig war und wir nur wenig Zeit im Aostatal hatten, haben wir diese drei "Highlights" leider verpasst.

Route:

Gernsbach - Rastatt - Offenburg - Freiburg im Breisgau - Basel - Bern - Fribourg - Genfer See - Montreux - Évian-les-Bains - Vinzier - (GPS: 46.35370, 6.63821) - Chevenoz - Abondance - Valleé de Abondance - Châtel - Monthey - Martigny - "Col de la Forclaz" Pass - Trient - Vallorcine - "Col des Montets" Pass - Chamonix-Mont-Blanc - Mont-Blanc-Tunnel - SS26 - Courmayeur - SS26 - Arvier - Val Grisenche - SR25 aufwärts - Valgrisenche - Bonne - (Lago di Beauregard) - Surier - SR25 abwärts - (GPS: 45.67280, 7.09194) - Arvier - Introd - Val di Rhêmes - SR24 aufwärts - Pellaud - Thumel - SR24 abwärts - Introd - SR23 - Buillet - Val Savarenche - SR23 aufwärts - Pont - SR23 abwärts - Introd - Arvier - Saint-Pierre - Aymavilles - Poyaz - Val di Cogne - SR47 aufwärts - Cogne - Gimillan - SR47 abwärts - Poyaz - Aymavilles - SS26 - Aosta - Nus - Champagne - SR42 - Grossaix - Frayè - Verrayes - Plau - Cheresoulaz - "Colle San Pantaleone" Pass - Torgnon - Antey-Saint-Andrè - Valtournenche Tal - SR46 aufwärts - Breuil-Cervinia - (Matterhorn) - SR46 abwärts - Châtillon - SS26 - Aosta - Porossan - Roisan - Valpelline Tal - Valpelline - Lavod - (GPS: 45.83636, 7.36648) - Bionaz - La Lechere - Place-Moulin - Stausee "Lago di Place-Moulin" - Bionaz - Valpelline - Doues - Allein - Etroubles - SS27 - Saint-Oyen - "Grosser St. Bernhard" Pass - ("Lac des Toules" See) - Martigny - Montreux - Genfer See - Fribourg - Bern - Basel - Freiburg im Breisgau - Offenburg - Rastatt - Gernsbach

 

Reisedauer: 3,5 Tage

 

Gefahrene Strecke: 1509 Kilometer

 

Anzahl Pässe: 4

 

Wildcampen Frankreich: Das Wildcampen ist in Frankreich offiziell nicht gestattet. Man sollte sich also nach einem geschützten Platz umsehen. Auf Privatgrundstücken ist das Zelten mit Einverständnis des Eigentümers erlaubt. An der Küste ist Vorsicht geboten, hier regelt ein altes Gesetz, dass die Küste allen Bürgern Frankreichs gehört und somit niemand die Erlaubnis geben kann, darauf zu zelten. Damit ist Wildcampen hier generell verboten. Das Gleiche gilt für Plätze in unmittelbarer Nähe von Sehenswürdigkeiten. Dies kann, genau wie in französischen Natur- oder Wasserschutzgebieten eine Strafe von bis zu 1500€ kosten.

Dieses Mal wurden wir leider von der französischen Polizei beim Abbau unserer Zelte "erwischt". Das Gespräch mit den Beamten lief jedoch ruhig und freundlich ab. Eine Strafe haben wir nicht bekommen, was vermutlich von der Laune der jeweiligen Beamten und dem Kontext des geführten Gesprächs abhängig ist. Also immer schön freundlich bleiben und auf eine "Notlage" plädieren!!!

 

Wildcampen Italien: In Italien ist das Wildcampen im Wald, in Nationalparks, sowie auf freien Flächen, also auch am Strand, verboten. Wer erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen. Anders sieht das auf Privatgrundstücken aus. Hat man die Erlaubnis des Grundstückbesitzers erhalten, steht einem Campieren auf dem Privatgrundstück nichts im Wege. Da das Aostatal zum größten Teil in einem Nationalpark liegt, mussten wir hier besondere Vorsicht bei der Wahl des Zeltplatzes walten lassen! Die Nebensaison, ohne viele Touristen, war sehr vorteilhaft.

 

Biwakieren Frankreich: Das Übernachten draußen, ohne Zelt, nur mit Schlafsack, Isomatte, Hängematte, Biwaksack, Tarp, etc., in hochalpinem Gelände, ist außerhalb der Schutzgebiete, in Frankreich, für einen kurzen, durch den Anlass gebotenen Zeitraum (eine Nacht), gestattet.

 

Biwakieren Italien: Das Übernachten draußen, ohne Zelt, nur mit Schlafsack, Isomatte, Hängematte, Biwaksack, Tarp, etc., in hochalpinem Gelände, ist außerhalb der Schutzgebiete, in Italien, für einen kurzen, durch den Anlass gebotenen Zeitraum (eine Nacht), gestattet.

 

Klima / beste Reisezeit: Von alpinem Klima in Südtirol bis zu mediterranem Klima an der Stiefelspitze und in Sizilien reicht die Palette. Ganz im Süden geht Motorradfahren ganzjährig, Touren in der Mitte und im Norden ab März, in den Höhenlagen ab April / Mai. In den alpinen Regionen gelten die Wintersperren teilweise bis in den Juni. 

 

 

allgemeine Landesinformationen

 

Fläche: 301.338 km2

 

Einwohner: 60.501.718

 

Währung: Euro

 

Verkehr: Rechtsverkehr

 

Tempolimits:

50 km/h innerorts

90 km/h außerorts

110-130 km/h auf Autobahnen

 

Web-Infos: www.italia.it/de 


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